Tour der France 2014: Christopher war im Mavic Support Car dabei

22. August 2014

Am 13. Juli dieses Jahres war es für mich soweit und ich durfte meine Reise zur Tour de France antreten. Als begeisterter Rennradfahrer habe ich mich sehr auf dieses Event gefreut. Im Rahmen meiner Servicetätigkeit bei bike-components bekam ich das Angebot von Mavic Deutschland, das Supporteam in einem der Mavic „Neutral assistance“ Fahrzeuge, als Beifahrer einen Tag zu begleiten.

Anreise

Sonntags machte ich mich auf den Weg zum Mavic Teamhotel. Für diese Nacht war die Station in Westhalten im Elsaß. Hier traf ich mich mit dem 14. köpfigen Support Team von Mavic. Das Team besteht aus Mechanikern, die aus den verschiedensten Bereichen von Mavic kommen, unter anderem auch aus dem Marketing. Der Fuhrpark setzt sich aus PKW´s und Motorrädern zusammen, deren gemeinschaftliches Ziel es ist, schnellstmöglich den richtigen Support an den Laufrädern zu geben, wenn dieser benötigt wird.
Angekommen am Hotel ging es direkt zum gemeinsamen Abendessen. Anschließend schauten wir uns mit ein paar Kastusha Teammitgliedern das WM Finale der Deutschen Nationalmannschaft an.

Montagmorgen 8:00 Uhr begann der Tag mit einem gemeinschaftlichen Frühstück. Heute standen 161,5km von Mulhouse nach Planche des Belles Filles auf dem Plan. Um 9:30 Uhr ging es dann endlich los zum Start. Gegen 10:30 erreichten wir den Startbereich im sogenannten Village du Tour. Hier präsentieren sich einige Sponsoren der Tour mit kleinen Ständen. Dazu wurden die verschiedensten kulinarischen Highlights der Region gereicht. Während dieser Zeit sind mir natürlich auch die einzelnen Fahrer aufgefallen, die sich auf den Start der Etappe gegen 13:00 Uhr vorbereitet haben. Darunter auch Bernard Hinault, Richard Virenque, Laurent Jalabert und der Träger des gelben Trikots Tony Gallopin vom Team Belisol der im Gesamtclassement 29. werden sollte.

Um 11:00 Uhr startete die Werbekarawane. Ich kannte diese Veranstaltung von früheren Rennen und ich war überrascht, wie sehr mich diese Kolonne an den rheinischen Karneval errinnert. 1930 wurde die Werbekarawanne eingeführt und ist seitdem fester Bestandteil der Tour de France. 47% der Zuschauer kommen nur um sich diese anzuschauen. In Zahlen bedeutet dies:

Ein 20 km langer Zug von Fahrzeugen
160 animierte und geschmückte Fahrzeuge
600 Teilnehmer/innen
33 vorgestellte Marken
16 Millionen Geschenke
45 Minuten durchgehendes Spektakel
12 Schutzpolizisten
4 Ordner auf dem Motorrad
3 medizinische Fahrzeuge
200.000 € bis 500.000 € Investitionen pro Werbekunde
(Quelle:http://www.letour.com/le-tour/2012/de/karawane.html,Stand:18.08.2014)

Start der Etappe

Um 13:00 Uhr startete endlich die Etappe.  Das Wetter war zu beginn sonnig und die Etappe versprach durch das Höhenprofil sehr knackig zu werden, sei es bergauf oder auch bergab.
Auffälig war, dass alle Teams mit ihren Rennrädern nah am Standard unterwegs sind. Sicherlich habe ich vereinzelt Prototypen oder Sonderanfertigungen gesehen, aber was zum Beispiel Reifen und Sättel angeht, so fahren alle das Material, welches für jeden einzelnen auch käuflich zu erwerben ist.
Der Start erfolgt durch einen sogenannten neutralisierten Start. Nach den ersten 10-15 km wird vom Direktionsfahrzeug die Fahne eingeholt und km 0,00 fängt an zu zählen.

Beindruckend für mich sind die Menschenmassen. In Frankreich hat der Rennradsport einen völlig anderen Stellenwert, als bei uns in Deutschland. Man kann auch sagen: Die Franzosen sind Radsport verrückt. Die Fans feuern alle Teilnehmer der Tour mit Herz und Leidenschaft an. Einzelne sind verkleidet und haben Fahnen und Banner vorbereitet. Stellenweise habe ich mich selbst wie ein Fahrer gefühlt, ein unbeschreibliches Erlebnis in diesem nicht enden wollenden Spalier, das erst am Ziel endete. Wahnsinn!

Nach dem offiziellen Start am Kilometer Null wurde das Tempo des Feldes direkt angezogen auf 45-50 km/h und die ersten Fahrer setzten sich ab. Der Anspruch an meinen Support Car Fahrer Patric war nicht weniger gering, da er die ganze Zeit im Feld aggieren musste. So bestand unsere erste Aufgabe an die Spitze des Hauptfeldes zu gelangen. Im Peloton (Hauptfeld)  herrscht permanent hektisches hin und her zwischen neutralen Begleitfahrzeugen, Motorrädern und Teamfahrzeugen. Das Überholen ist eher eine enge Geschichte, schräg vor uns ein Radprofi, links ein Motorrad, rechts ein Teamauto und in der Mitte wir mit unserem gelben Blitz. Die Konzentration des Fahrers muss dabei immer ganz oben sein. Zweimal mussten wir per Vollbremsung zum stehen kommen, da ein Teamfahrzeug vor uns seinem Teamfahrer  Hilfe leisten musste. Bei der Tour der France gilt auch bei den Fahrzeugen – alles für das Team und es geht ums gewinnen – also wird auch gebremst wenn gebremst werden muss, unabhängig davon was hinter dir passiert.

Mit dem ersten Berg im Elsaß änderte sich das Wetter schlagartig und starker Regen setzte ein. Bei diesem Wetter war ich froh im trockenen zu sitzen. Sichtlich unangenehm war das Wetter für die Fahrer, die dennoch unbeeindruckt mit Tempo 70 km/h die nassen Kurven beragab nahmen. Einem Spitzenfahrer wurde dies zum Verhängnis.  Alberto Contador stürzte bei einer der Abfahrten, die wir kurz darauf auch passierten. Er konnte weiterfahren, musste später aber verletzungsbedingt aufgeben. 

Ein technischer Support unsererseits war nicht nötig und unser Fahrzeug wurde somit nicht in Anspruch genommen. Duch den permanenten Funkkontakt mit den Kollegen wurden laufend Informationen ausgetauscht, die lediglich Positionangaben enthielten und keine taktischen Supportdetails.

 

Rückblickend war es ein spannender Tag voller neuer Eindrücke und Einblicke in ein Rennen, welches ich als Zuschauer live oder aus dem Fernsehen kenne, aber nicht aus der Perspektive eines Fahrers. Einen großen Respekt habe ich auch vor den Zuschauern, die auch bei den widrigsten Bedingungen ihren Jungs ihre ganze Unterstützung gegeben haben, sei es verkleidet als Darth Vader, Joda oder sogar Männer im BH und Strapsen. 

Ich freu mich schon auf das nächste Jahr.

 

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