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Den richtigen Rennradsattel finden

Du suchst DEN Rennradsattel, der Dein geliebtes Hobby auch für Dein Hinterteil bequem gestaltet? Wir geben Tipps zur richtigen Rennradsattel-Wahl für Dich.

Schon die ersten Tour-de-France-Fahrer waren darauf unterwegs – dem (Kern-)Ledersattel. Viele schwören auch heute darauf und montieren ihn auf jedes ihrer Fahrräder. Der bekannteste Ledersattel-Hersteller ist die englische Firma Brooks, deren Sättel nicht allein durch das Material, sondern auch aufgrund ihrer gehämmerten Kupfernieten und dem metallenen Firmenschildchen am Sattelheck ins Auge stechen. Mittlerweile verarbeiten die Briten nicht nur ausschließlich Leder, sondern verwenden für manche Modelle auch Sattelschalen aus Naturkautschuk, die mit wasserfestem Nylon bezogen sind. Sie sind vor allem leichter als die Lederexemplare, wiegen aber insgesamt immer noch etwas mehr als die herkömmlichen Rennradsättel. Auch aus der Radsportnation Italien stammen traditionelle Ledersättel, so zum Beispiel von Selle Italia, die nicht nur alten Stahlrennern einen Hauch Nostalgie verleihen. Ledersättel passen sich Dir mit der Zeit immer stärker an – ähnlich guten Lederschuhen. Sie erhalten Patina, werden weicher und sorgen auf diese Weise für maßgeschneiderten Komfort. Sie sind besonders empfehlenswert, wenn Du häufig lange Strecken zurücklegst.
Du meinst, damit ist alles gesagt zum Thema Rennradsattel? Weit gefehlt! Was es sonst noch über Rennradsättel zu wissen gibt:

Nach wie vor schwören viele Langstrecken-Radfahrer:innen auf den klassischen Kernledersattel, wie Brooks ihn beispielsweise produziert.
Nach wie vor schwören viele Langstrecken-Radfahrer:innen auf den klassischen Kernledersattel, wie Brooks ihn beispielsweise produziert.

Nach wie vor schwören viele Langstrecken-Radfahrer:innen auf den klassischen Kernledersattel, wie Brooks ihn beispielsweise produziert.

Wenn Dein Hauptaugenmerk auf Performance liegt, kommen allerdings noch zahlreiche andere Aspekte dazu, die Du bei der Wahl des richtigen Sattels für Dein Rennrad berücksichtigen solltest.
Wenn Dein Hauptaugenmerk auf Performance liegt, kommen allerdings noch zahlreiche andere Aspekte dazu, die Du bei der Wahl des richtigen Sattels für Dein Rennrad berücksichtigen solltest.

Wenn Dein Hauptaugenmerk auf Performance liegt, kommen allerdings noch zahlreiche andere Aspekte hinzu, die Du bei der Wahl des richtigen Sattels für Dein Rennrad berücksichtigen solltest.

Die Satteloberfläche: Mikrofaser, Kevlar und Polyurethan

Wer gern fixer unterwegs ist, setzt auf klassische Rennsättel, wie sie zum Beispiel Selle Italia, Specialized oder Fizik anbieten. Die Oberfläche der Rennradsättel sollte wetterfest und so beschaffen sein, dass Du mit Deinen Bibshorts nicht darauf hin- und her rutschst. Um das zu Erreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Viele Hersteller nutzen für die Oberfläche zum Beispiel Polyurethan (PU). Selle Italia verwendet Polyurethanbezüge, Soft Tek genannt, um ihren Modellen mehr Komfort zu verleihen. Bei anderen Sätteln des Herstellers kommen Mikrofaser-Bezüge zum Einsatz, die als besonders abriebfest und langlebig (Fibra-Tek) beziehungsweise sehr leicht (Duro-Tek) gelten. Eine Mischung aus atmungsaktiver Mikrofaser und einem Wildledereinsatz, der das Rutschen verhindert, zieht man bei Fizik über den beliebten Arione Classic. Der Ergonomiespezialist SQlab nutzt an einigen Modellen widerstandsfähiges Kevlar für seine Satteloberflächen.

Sattelstreben aus Stahl, Aluminium, Carbon und Titan

Sattelstreben, auch „Rails“ genannt, bilden das Gerüst des Sattels – sie werden im Kopf der Sattelstütze geklemmt. Bevor Carbon und Titan die Materialbühne betraten, war Stahl das Maß aller Dinge. Doch die „neuen“ Materialien bedeuten längst nicht das Ende für Sättel mit Stahlstreben. Im Gegenteil: Die meisten Hersteller setzen auf den robusten Werkstoff gerade für preisgünstige Modelle, was sich aber nicht zwangsläufig negativ auf das Gewicht des Sattels auswirkt. Wenn Du jedoch Dein Rennrad mit der Waage aufbaust und jedes Gramm kritisch beäugst, sind Sättel mit Carbonrails beziehungsweise Sättel, die komplett aus Carbon bestehen, genau Dein Ding. Leichtes Carbon bedeutet allerdings auch oft ein Fahrergewichtslimit. Achte bei der Montage von Carbon-Sätteln übrigens immer auf das korrekte Drehmoment, nutze einen Drehmomentschlüssel und Carbon-Montagepaste. Titan ist ebenfalls ein beliebtes Material für Sattelstreben – es ist leicht, äußerst widerstandsfähig und lässt sich sehr gut verarbeiten. Um noch mehr Gewicht zu sparen, bieten Hersteller wie Fabric Sattelstreben aus einer Titanlegierung an, die innen hohl sind. Leicht, aber stabil sind Sattelstreben aus Aluminium, die sich beispielsweise in den Ergowave-Modellen von SQlab finden. Sättel mit Carbon-, Stahl- und Titanrails bieten etwas mehr Flex und Komfort, doch die Unterschiede sind nicht gravierend. Für einen stärkeren Flex sorgen Sattelstützen aus Carbon. Auch Sattelschalen aus demselben Werkstoff tragen zu stärkerem Flex-Gefühl bei.

Ovale vs. runde Klemmung

Die meisten Sattelstreben sind rund ausgelegt und besitzen einen Standarddurchmesser von sieben Millimetern. Sattelstreben aus Carbon gibt es – für mehr Stabilität und Steifigkeit – auch in hochovaler Form. Mit sieben Millimetern sind sie genauso breit wie die runden Metallstreben, sind aber etwas höher – das Standardmaß beträgt dort 7x9 Millimeter. Auf diese Maße musst Du achten, wenn Du Deinen Sattel auf eine Sattelstütze klemmst. Je nach Klemmart sind einige Sattelstützen auch mit unterschiedlichen Maßen kompatibel.

Wie man sich polstert, so fährt man

Eines vorweg: Wie dick oder dünn das Sattelpolster ausfallen soll, wenn überhaupt vorhanden, beruht auf persönlichem Empfinden. Als Anhaltspunkt gilt: je sportlicher und gestreckter Du auf dem Rad sitzt, desto weniger Polsterung benötigst Du. So können auch die Muskeln im Beckenbereich ohne Einschränkungen arbeiten. Weniger Polsterung und ein harter Sattel vermeiden auch ein Wundreiben, weil der Hintern dann nicht in ein weiches Polster einsinken kann. Andererseits bietet eine leichte Polsterung auch etwas Dämpfung. Hersteller Ergon nutzt einen speziell entwickelten Schaum als Polsterung, der für eine bessere Druckverteilung sorgt. Selle Italia verwendet im Lady Gel Flow eine extra Polsterung und eine Geleinlage, um Vibrationen zu dämpfen und den Sitzkomfort zu erhöhen. Specialized verzichtet beim S-Works Power Mirror komplett auf Schaumstoff und Gel: Der Sattel ist mit einem 3D-Druckverfahren hergestellt. Dabei erhält flüssiges Polymer eine wabenförmige Struktur, die für eine sehr gleichmäßige Druckverteilung und besonderen Komfort sorgen soll.
Wenn Du den für Dich passenden Sattel gefunden hast, sollte er, zumal in Kombination mit gepolsterten Bibshorts und einer Gesäßcreme (bei Anfängern nach einer Eingewöhnungszeit), Deinem Hinterteil auch auf längeren Fahrten keine Probleme bereiten.

Der Specialized Power Mirror Rennradsattel entsteht im 3D-Druckverfahren und sorgt mit seiner Wabenstruktur für den gewünschten Komfort.
Der Specialized Power Mirror Rennradsattel entsteht im 3D-Druckverfahren und sorgt mit seiner Wabenstruktur für den gewünschten Komfort.

Der Specialized Power Mirror Sattel entsteht im 3D-Druckverfahren und sorgt mit seiner Wabenstruktur für den gewünschten Komfort. © bc GmbH

Länge, Breite und Form des Rennradsattels

Auf einem Stadt- und Tourenrad sitzt Du sehr aufrecht, so dass hier breite, gut gepolsterte Sättel geeignet sind, um das Gewicht gleichmäßig zu verteilen. Anders sieht es auf dem Rennrad aus: Selbst wenn Du ein Rennrad mit Komfortgeometrie wählst, nimmst Du im Vergleich zum Alltagsrad eine relativ gestreckte Sitzposition ein. Deshalb sind Rennradsättel grundsätzlich relativ lang und schmal, so dass Deine Beine und das Becken genügend Bewegungsfreiheit haben. Welche Sattelform für Dich passt, hängt unter anderem von Deiner individuellen Beweglichkeit ab. Bist Du sehr beweglich in den Hüften und kannst Deinen Oberkörper weit nach vorn beugen, ruht das Hauptgewicht auf dem vorderen Teil des Sattels und damit auf Deinem Schambein. Gleichzeitig leisten Arme und Hände mehr Stützarbeit. Für diese Sitzposition sind relativ lange und schmale Sättel geeignet, die zugleich ein leicht hochgezogenes Heck besitzen. Das verhindert, dass Du auf dem Sattel hin und her rutschst und eine Schonhaltung einnimmst. Diese Sattelform unterstützt Dich dabei, Deine Energie direkt auf die Straße zu bringen. Bist Du weniger beweglich und sitzt im Vergleich etwas aufrechter, dann sind Deine Sitzbeinhöcker (auch Sitzknochen genannt) stärker belastet. Dann solltest Du einen etwas breiteren Sattel wählen. Ist der Sattel zu schmal, verteilt sich der Druck auf den Dammbereich, was zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen führen kann. Neben der Beweglichkeit spielt der individuelle Abstand Deiner Sitzbeinhöcker eine entscheidende Rolle beim Sattelkauf. Als Faustregel gilt: Wenn Du die Sitzknochen zu Beginn einer Fahrt spürst, stimmt die Sattelbreite. Deinen Sitzknochenabstand kannst Du ganz einfach zuhause mit der Messpappe von SQLab bestimmen.

Rennradsättel sind eher lang und schmal in ihrer Form, damit Du bei der relativ gestreckten Sitzposition auf Deinem Rennrad trotzdem genug Bewegungsfreiheit hast.
Rennradsättel sind eher lang und schmal in ihrer Form, damit Du bei der relativ gestreckten Sitzposition auf Deinem Rennrad trotzdem genug Bewegungsfreiheit hast.

Rennradsättel sind eher lang und schmal in ihrer Form, damit Du bei der relativ gestreckten Sitzposition auf Deinem Rennrad trotzdem genug Bewegungsfreiheit hast. © bc GmbH

Ein Loch ist im Sattel – wozu dienen Aussparungen?

Stell Dir vor, Du trittst kräftig in die Pedale und greifst für den Ortsschildsprint tief in den Unterlenker. In dieser Sitzposition belastest Du Deinen Damm (lat. Perineum) extrem: Die Reibung und der Druck können auf Dauer Beschwerden im Damm- und Urogenitaltrakt verursachen. Um diesen sensiblen Bereich zu entlasten, gibt es Sättel mit einer Aussparung, auch „Cut Out“ genannt. Generell hängt es jedoch stark von der persönlichen Druckempfindlichkeit und tatsächlichen Sitzposition ab, welche Art von Cut Out die passende ist. Auch das Geschlecht kann eine Rolle spielen. Frauen haben häufig einen beweglicheren Beckenbereich und können ihr Becken dementsprechend weiter nach vorn kippen. So bietet der Koblenzer Ergonomiespezialist Ergon mit dem SR Pro Women ein weit vorne liegendes, langes Cut-Out und breite Sattelflanken, um den Druck homogen zu verteilen. Bei der Männer-Variante des Sattels, dem SR Pro Men, befindet sich der Entlastungskanal mit der kleinen Aussparung viel weiter hinten.

Die Aussparungen im Sattel reduzieren den Druck auf den Dammbereich.
Die Aussparungen im Sattel reduzieren den Druck auf den Dammbereich.

Die Aussparungen im Sattel reduzieren den Druck auf den Dammbereich. © bc GmbH

Unterschiedliche Rennradsättel für Männer und Frauen

Das wirft die Frage auf: Brauchen Männer andere Sättel als Frauen? Hinsichtlich der Aussparung können geschlechterspezifische Sättel hilfreich sein. Viele Hersteller, wie zum Beispiel Fizik, bieten Frauenvarianten ihrer Modelle an. Der Luce Carbon Damen fällt nicht nur insgesamt breiter aus, sondern ist auch direkt in zwei unterschiedlichen Breiten erhältlich; zudem soll die sehr schlanke Sattelnase Reibung an den Oberschenkeln mindern. Auch Selle Italia hat Damenmodelle im Programm, die sich durch eine großzügige Aussparung und zusätzliche Polsterung auszeichnen. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass Frauen generell mehr Polsterung oder weichere oder breitere Sättel bräuchten. Komplett ohne Cut-Outs und als Unisex-Modelle bietet zum Beispiel SQLab seine Sättel an. Die Ergonomieexperten aus Taufkirchen setzen stattdessen auf die Sitzknochenvermessung und das von ihnen entwickelte Stufensattelkonzept. Dabei soll die tieferliegende Sattelnase die empfindlichen Bereiche entlasten.

Waagerecht starten – Sattelneigung und Sitzposition

Damit Du Dich auf Deinem Rennrad wohlfühlst, ist es mit dem passenden Sattel allein nicht getan. Er muss auch korrekt eingestellt sein. Grundsätzlich solltest Du den Sattel waagerecht ausrichten und aus dieser Position heraus nur Schritt für Schritt eine Änderung (also zum Beispiel Sattelneigung oder Sattelhöhe) vornehmen. Was Du – neben einem professionellen Bikefitting – selbst tun kannst, um Dein Rad auf Deine Bedürfnisse anzupassen, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. In der Regel gilt, dass etwa 80 bis 90 Prozent des Drucks, der auf dem Rennrad-Sattel lastet, auf die Sitzknochen entfällt. Die anderen Prozente trägt das weiche Gewebe vor den Sitzknochen. Diese Druckverteilung kannst Du beeinflussen, indem Du mit der Sattelneigung experimentierst. Nicht vergessen: Jede neue Einstellung solltest Du mehrere Kilometer – nicht nur bei einer Runde über den Hof – testen, bevor Du sie übernimmst oder verwirfst. Wenn Du tiefer in die Materie der individuellen Radeinstellung eintauchen willst, empfehlen wir Dir die Ergon Fitting Box Road.

Spezialsättel für Triathlon-, Aero- und Bahnräder

Manche Radprofis, wie zum Beispiel der siebenfache Zeitfahrweltmeister Tony Martin, kleben sich Griptape auf den Sattel, um beim Rennen eine ideale, aerodynamische Position zu halten. Das dürfte für Hobbyfahrer:innen eine übertriebene Maßnahme sein. Aber: Wer ein Aero- beziehungsweise Triathlonrad besitzt und sportliche Ambitionen hegt, wird auf jeden Fall einen entsprechenden Sattel montieren. Triathlon- und Zeitfahrsättel sind kürzer als normale Rennradsättel und verfügen über einen Entlastungskanal, damit das Fahren in der extrem gestreckten Position so komfortabel wie möglich ist. Dank spezieller Halterungen am Sattel lässt sich das Rad auch an den Stangen in der Wechselzone aufhängen und eine Trinkflasche befestigen.

Ein Sattel für jeden Anspruch – Langstrecke vs. Performance vs. Gravel

Bei der Suche nach dem passenden Sattel ist der hauptsächliche Einsatzbereich ein wichtiger Faktor. Wenn der Genuss an langen Strecken auf dem Rad Dein Ding ist, dann sind auf Komfort ausgerichtete Marathonsättel mit einer leichten Polsterung eine gute und auch preisgünstige Wahl. Wenn Du sportlich ambitioniert bist, ist das Gewicht ein wesentlicher, Bequemlichkeit und Polsterung ein untergeordneter Faktor. Dann kommen Carbongeschosse wie der SLR C59 in Frage, was sich allerdings auch im Portemonnaie bemerkbar macht. Bist Du auf Deinem Gravelbike oft abseits asphaltierter Straßen unterwegs, darf die Sattelpolsterung ruhig großzügiger ausfallen, um Schläge zu dämpfen. Auch die Seiten sollten abriebfest sein und die Sattelnase groß genug, um das Rad im Gelände mit den Oberschenkeln gut dirigieren zu können.

Sinnvolles Zubehör für den Rennradsattel

Egal ob Feierabendrunde oder Brevet – hinten am Sattel lassen sich perfekt große und kleine Satteltaschen anbringen. Sie werden meist mit Klettbändern an den Sattelstreben und an der Sattelstütze befestigt und bieten nicht nur Platz für Werk- und Flickzeug, sondern meist auch die Möglichkeit, ein Akku-Rücklicht anzubringen.

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