Verschiebung der Speichenflansche von Boost und dem "normalem" älteren Standard im Vergleich

Neue Einbaubreiten-Teil 2: Evo6- Die Evolution der Laufradwelt?

Sebastian 07. September 2016

Evo6, die natürliche Evolution nach Boost oder nur ein weiterer Standard im Normen-Dschungel? Was Evo6 ist und ob es wirklich Sinn ergibt, erfahrt ihr hier.

Evo6 ist, ähnlich wie Boost, ein Standard mit einer 148 mm-Einbaubreite an der Hinterradachse. Doch was ist anders an Evo6 und machen die Änderungen wirklich Sinn?

Das Liteville H3 mit dem Evo6 Hinterbau

Liteville H3 mit Evo6 Hinterbau

Der Evo6 Hinterbau

Evo6 Hinterbau

Was ist Evo6?

Der Evo6-Standard ist die Antwort bzw. Weiterentwicklung zum neuen Boost-Standard, bei dem Syntace und Liteville nicht nur die Steifigkeit des Laufrades, sondern auch die Kettenlinie verbessern konnten.

Ähnlich wie bei Boost wurde bei Evo6 ein Speichenflansch verschoben und die Einbaubreite von 142 mm auf 148 mm erhöht. Wenn ihr wissen wollt, welche Auswirkungen diese Änderungen haben, lest hier weiter.

Der Hinterbau

Der Evo6-Standard bezieht sich nicht nur auf das hintere Laufrad, sondern auch auf den Rahmen. Um die Verschiebung der Kassette wieder auszugleichen, ist auch die antriebsseitige Ketten- und Sitzstrebe um 6 mm nach außen versetzt.

Der Hinterbau ist nun asymmetrisch. Die rechte Sitzstrebe ist um 6mm nach außen verschoben

Asymmetrischer Hinterbau: Die rechte Sitzstrebe ist 6 mm nach außen gewandert

Das hat nun den Vorteil, dass beide Speichenwinkel und Speichenlängen gleich sind und die Kassette um 6 mm weiter nach außen steht.

Verschiebung der Speichenflansche von Boost und dem "normalem" älteren Standard im Vergleich

Verschiebung der Speichenflansche im Vergleich

Anders als beim Boost-Standard, bei dem die Speichenflansche und Endanschläge jeweils um 3 mm von der Nabenmitte nach außen verschoben werden, verschiebt sich bei Evo6 nur die Antriebsseite um 6 mm nach außen. Mit anderen Worten: Bei einem Evo6-Laufrad ist die Felge auf einer Nabe mit Boost-Standard außermittig eingespeicht.

Die Kettenlinie

Es entsteht eine neue Kettenlinie: Das Kettenblatt ist um 3mm nach außen verschoben; die Nabenflansche wird um 6mm breiter; die Nabeneinbaubreite wird an die breitere Kettenlinie angepasst; der Q-Faktor bleibt unverändert

Neue Kettenlinie

Wie oben erwähnt, geht es bei Evo6 um eine Verbreiterung der Einbaubreite auf 148 mm. Evo6 verschiebt aber nur den antriebsseitigen Speichenflansch um 6 mm. Dadurch wird auch die Kassette um 6 mm weiter nach außen verschoben.

Bei Boost-Kurbeln ist das Kettenblatt um 3 mm nach außen versetzt. Durch die 3 mm Differenz erfährt die Kette auf den großen Ritzeln der Kassette weniger Schräglauf. Die Vorteile sind eine sicherere Führung und weniger Verschleiß.

Die Kurbel

Die zum Boost-Standard gehörige Kurbel ist ebenfalls um 3 mm nach außen verschoben. Der Q-Faktor der Kurbel ändert sich aber nicht. Das wird durch einen um 3 mm nach außen versetzten Spider realisiert. In Kombination mit dem 6 mm Versatz der Kassette ergibt sich in Summe eine um 3 mm verschobene Kettenlinie auf der Kassette.

Boost Kurbel mit Evo6 Hinterrad

Boost Kurbel mit Evo6 Hinterrad

Beim Pedalieren ist dabei keine Einschränkung im Bewegungsbereich des Schuhs zu vermerken. Die Kette erfährt auf den großen Ritzeln der Kassette weniger Schräglauf und damit eine sicherere Führung.

Welche Vorteile bietet Evo6?

Allgemein kann man sagen, dass die breiteren Achsstandards Vorteile in Stabilität und Steifigkeit bringen. Durch die Verbreiterung des Speichenschirms können die in Kurven entstehenden Querkräfte besser aufgenommen werden und die Laufräder werden steifer. So können 29“ Evo6-Laufräder genauso steif sein wie ein „normales“ 27,5“ Laufrad.

Durch die außermittige Einspeichung der Evo6-Laufräder können auf der Antriebszu- und der antriebsabgewandten Laufradseite gleich lange Speichen verbaut werden. Da die Speichen auf beiden Seiten gleich lang sind und somit im gleichen Winkel montiert werden, kann man sie auch mit der gleichen Spannung einspeichen. Durch die symmetrische Speichenspannung ist das Laufrad ausgeglichener, d.h. die Kräfte verteilen sich besser auf alle Speichen und es entstehen keine Belastungsspitzen in den stärker vorgespannten Speichen. Dadurch wird das Risiko des Speichenbruchs minimiert und die Stabilität des ganzen Laufrades erhöht.

Speichenspannungen von Syntace Laufrädern im Vergleich

Achsstandard Antriebsseite Bremsseite
142 mm 110 kg 70-80 kg
Evo6 90 kg 90 kg

Anschaffung

Zurzeit baut nur Liteville Evo6-Rahmen, da der Standard auch noch relativ neu ist. Aber auch andere Hersteller sind sehr interessiert am Evo6-Standard. Vielleicht gibt es auch bald eine größere Auswahl an Evo6-Rahmen. Es wäre nicht der erste von Syntace erfundene Standard, der sich durchsetzt, siehe X12 Steckachse.

Das Evo6-Resümee

Evo6 hat für mich durch die ausgewogenere Speichenspannung einen klaren Vorteil gegenüber Boost. Generell finde ich das ganze Evo6-Konzept besser durchdacht. Man hat versucht mehrere Probleme, wie unterschiedliche Speichenlängen und -spannung, auf einmal zu lösen. Dabei wurde auch noch die Kettenlinie verbessert und das Laufrad wurde stabiler. Die Eingangsfrage, ob Evo6 Sinn macht, kann ich für mich eindeutig mit "ja" beantworten.