Die richtige Fahrrad-Funktionsunterwäsche ist ein entscheidender Bestandteil Deiner Bike-Bekleidung. Ohne gute Fahrradunterwäsche sind die besten Trikots und Jacken aufgeschmissen wie ein Haus ohne stabiles Fundament. Warum ist das so und warum solltest Du Funktionsunterwäsche beim Radfahren tragen? Das hat vor allem zwei Gründe, die für Bike-Unterhemden und -Unterhosen gleichermaßen gelten: Feuchtigkeitstransport und Atmungsaktivität.

Feuchtigskeitstransport & Atmungsaktivität: Die wichtigsten Eigenschaften von Fahrradunterwäsche

Gute Bike-Unterwäsche ist aus sog. Funktionsmaterial. Dieses Material ist in der Lage, viel Feuchtigkeit aufzunehmen und schnell wieder abzugeben. Das ist die Grundlage für das berühmte Zwiebelsystem und wird deshalb auch engl. „Baselayer“ genannt. Zu den verbreiteten Materialien, die das leisten, gehören Polyamid (Nylon), Polyester, Polypropylen und das Naturmaterial Merinowolle. Oft kommen auch clevere Materialmischungen zum Einsatz. Unter den Herstellern tummeln sich etablierte Outdooranbieter wie Patagonia, GORE Wear und VAUDE, genauso wie Spezialisten für Radunterwäsche, z. B. ASSOS, Endura, Craft, GripGrab oder 7Mesh. Die beliebte Baumwolle ist nicht optimal, weil sie zwar Feuchtigkeit aufnimmt, aber extrem langsam trocknet. So entsteht eine Dampfbremse, die jede weitere Atmungsaktivität unterbindet und Dich im eigenen Saft garen lässt. Außerdem scheuert feuchte Haut wesentlich leichter wund.

Funktionsunterwäsche bleibt dagegen auch bei Anstrengung trocken. Das ist angenehmer, denn Du kühlst nicht aus oder überhitzt. Das Tragegefühl bleibt jederzeit angenehm. Davon profitierst Du nicht nur beim Sport, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit oder in die Uni, weil Du nicht klitschnass ankommst. Eines kann und soll Fahrradunterwäsche aber nicht: Das Schwitzen verhindern. Schwitzen ist eine wichtige Funktion Deines Körpers, um Temperatur zu regulieren. Denn Du willst nicht hecheln, oder?

Fahrradunterwäsche muss richtig sitzen

Ein körpernaher Schnitt, der Dich nicht einengt, ist entscheidend für die Funktion Deiner Bikeunterwäsche. Er unterstützt den Feuchtigkeitstransport nach außen und vermeidet Scheuern.

Oben: Radunterhemden für jedes Geschlecht

Bike-Unterwäsche wird körpernah getragen. Deshalb sind unterschiedliche Schnitte für Frauen und Männer sinnvoll. An den grundsätzlichen Anforderungen ändert sich aber nichts: Passform und Feuchtigkeitstransport müssen stimmen. Für beide Geschlechter stehen drei Grundformen zur Verfügung:

  • Tank-Top (auch Sleeveless genannt)
  • Kurzarmshirt (auch T-Shirt oder Shortsleeve bzw. S/S)
  • Langarmshirt (auch Longsleeve oder L/S)

Longsleeves besitzen oft etwas länger geschnittene Ärmel, um auch bei gestreckter Sitzposition den Handrücken zu schützen. Den meisten Shirts und Tops für den Bike-Einsatz gemein ist, dass der Rücken deutlich länger ist, um bei einer typischen Position auf dem Rad auch Nieren und unteren Rücken zu schützen und nicht aus der Hose zu rutschen.

Unten: Radunterhosen für Damen und Herren

Radunterhosen besitzen noch eine weitere Besonderheit: Es gibt sie in verschiedenen Varianten mit oder ohne Sitzpolster. Wenn Du lange Strecken und/oder sportlich fährst, kannst Du stark von einem Sitzpolster profitieren, das punktuell genau die richtige Polsterung bietet und weder rutscht noch reibt. Gravity- Mountainbiker:innen und Kurzstreckenfahrer:innen verzichten gern auf das Sitzpolster, das ggf. auch sichtbar aufträgt. Auch sie fahren aber mit einer Radunterhose aus Funktionsmaterial besser und bequemer.

Gerade im Rennrad-, Cross-Country-Mountainbike und Langstreckenbereich ist eine besondere Variante der Radunterhose beliebt, die sog. Bib-Shorts (Trägerhosen). Die Träger verhindern das Rutschen und sorgen dafür, dass die Radunterhose perfekt sitzt. Bib-Shorts werden wie alle anderen Radunterhosen direkt auf der Haut getragen, ohne eine weitere Unterhose darunter. Bei Sitzbeschwerden kann Sitzcreme Abhilfe schaffen.

Da sich die Sitzanatomie von Frauen und Männer teils stark unterscheidet, gibt es geschlechtsspezifische Radunterhosen.

Weitere Ausstattungsmerkmale bei Radunterwäsche

Neben den Basics bei Schnitt und Material gibt es etliche Ausstattungsmerkmale, damit die Radunterwäsche noch besser für genau Deinen Einsatzbereich funktioniert:

  • Offenes Gewebe/Mesh: „Loch an Loch und hält doch“, so könnte man moderne Mesh-Gewebe beschreiben, deren offene Oberfläche für exzellentes Wärme- und Feuchtigkeitsmanagement sorgt und deshalb vor allem Sportler:innen anspricht.
  • Body-Mapping: Der englische Begriff beschreibt die Kombination unterschiedlicher Materialien oder Verarbeitungstechniken in einem Kleidungsstück. Zum Beispiel stark atmungsaktives Mesh unter den Achseln und am Rücken, ein stärker windabweisendes Material an der Brust und stabilere Gewebe auf den Schultern.
  • Stretch-Material: Kombiniert enge und faltenfreie Passform mit viel Bewegungsfreiheit. Z. B. Elasthan und Co.
  • Flatlock, Seamless und Co.: Hier geht es um die Nähte. Diese werden an exponierten Stellen entweder besonders flach ausgeführt oder gleich ganz weggelassen. Das Ziel ist gleich: Weniger Reibung und gleichmäßigere Druckverteilung.
  • Gummierung: Bei vielen Produkten sind z. B. Bein- und Armabschlüsse oder Säume leicht angeraut, gummiert oder mit Silikonstreifen versehen, um lästiges Verrutschen zu verhindern.
  • Silberionen und Co.: Viele Hersteller rüsten ihre Kunstfaserunterwäsche mit einer geruchshemmenden Ausstattung aus. Merinowollunterwäsche ist von Natur aus geruchsunempfindlich und bleibt deshalb auch ohne spezielle Behandlung länger frisch. Ideal für Pendler:innen, die Langstrecke oder das Bikepacking-Abenteuer.

Thermo-Fahrradunterwäsche für Herbst und Winter

Bei kalter und nasser Witterung kann es sein, dass Du Körperwärme nicht schnell abtransportieren, sondern lange speichern willst. Hier schlägt die Stunde sog. Thermounterwäsche. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es verschiedene Wege:

  • Windstopper und Co.: Hier wird winddichtes Material an der windexponierten Vorderseite oder für das gesamte Kleidungsstück eingesetzt. Die wärmende Luftschicht zwischen Körper und Baselayer wird so geschützt. Tipp: Windstopper-Baselayer nicht zu eng wählen.
  • Material: Merinowolle funktioniert auch im Hochsommer, ist aber wegen ihrer natürlichen Eigenschaften besonders in der kalten Jahreszeiten beliebt. Sie besitzt einen guten Wärmerückhalt und wärmt selbst im feuchten Zustand. Das gilt auch für Primaloft und vergleichbare Kunstfaserisolationen, die in besonders warmer Thermounterwäsche zum Einsatz kommt.
  • Oberflächenstruktur und Webart: Frotteeschlingen, Fleece und vergleichbare Oberflächenstrukturen sorgen für ein stabiles Luftpolster um den Körper, das wärmt.

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