Magura HS22

Im Test: Magura HS 22 hydraulische Felgenbremse

Dirk 28. Dezember 2016

Maguras hydraulische Felgenbremse HS 22 EVO02 Easy Mount. Die „Hydro-Stop“ Familie gibt es in der einen oder anderen Form seit über einem Vierteljahrhundert.

Willkommen liebe Speedfreaks und Heizer, liebe Raser und Adrenalinjunkies! Bitte seid nicht traurig, dieses Mal gibt es wieder nichts für euch. Es ist Zeit für eine weitere Ausgabe der Reihe „Dirks Helden des Alltags“. Hier gibt es keine Hyper-Extrem-Turboparts, sondern Komponenten, die unaufgeregt halten und funktionieren. Heute: Maguras hydraulische Felgenbremse HS 22 EVO02 Easy Mount. Die „Hydro-Stop“-Familie gibt  es in der einen oder anderen Form seit über einem Vierteljahrhundert – zuerst als Maß der Dinge für Mountainbikes, später dann als gehobene Ausstattung an Touren- und Trekkingbikes. Allerdings: In beiden Bereichen geben mittlerweile längst hydraulische Scheibenbremsen den Ton an. Welche Berechtigung gibt es also noch für diese einst bahnbrechende Hybridlösung?

Magura HS22

Die Magura HS22 eingebaut

Hydraulisch Magura HS22

Hydraulische Bremse

Sinnvoller Sonderling

Die Magura HS 22 hat ihre eigenen Vorteile, die sie sowohl von mechanischen Felgenbremsen als auch von Scheibenbremsen abheben. Jeder, der den salzig-nassen deutschen Winter durchradelt, kann sicher Geschichten von gammeligen und schwergängigen Bowdenzügen erzählen. Natürlich lässt sich das mit regelmäßiger Pflege und Wartung unterbinden. Doch gerade beim Rad für den täglichen Weg zur Arbeit ist es sehr angenehm, wenn man es abends einfach ohne weiteren Aufwand im Keller abstellen kann. Wochenendkampfmaschinen und Rennvollblüter hegen und hätscheln wir gern stundenlang, unser wöchentliches Arbeitstier soll bitteschön einfach und klaglos funktionieren.

Fahrrad fahren, Fahrradbremse

Mit der Magura HS22 draußen unterwegs

Scheibenbremsen sind wesentlich unanfälliger gegenüber den Unbilden der Witterung, doch bringen sie ihre eigenen Probleme mit sich. Für maximale Bremspower ist der Spalt zwischen den Bremsbelägen wenige Millimeter schmal, so dass die saubere und schleiffreie Montage gerade für Gelegenheitsschrauber schnell zur Geduldsprobe wird. Auch der Laufradwechsel erfordert mehr Geschick und Vorsicht, will man die Scheibe ohne Anecken und Verkanten einfädeln.

wartungsfreie Fahrradbremse

nahezu Wartungsfrei

Die Magura HS 22  löst beide Probleme mit einem Schlag: Als geschlossene Hydraulikanlage ist sie nahezu wartungsfrei, und Montage bzw. Radwechsel sind einfacher als bei hydraulischen Scheibenbremsen oder mechanischen Systemen. Womit wir beim Thema wären:

Montage

Man nehme: fünf Kilo Mehl, zwanzig Eier, eine Tüte Weinsteinbackpulver. Moment, falsche Anleitung. Sind wir nicht alle ein bisschen weihnachtsgeschädigt? Also: Zunächst entferne man gammelige Bowdenzüge samt montierter Felgenbremse. 

Je nach Art und Position des Gepäckträgers muss dieser ggf. auch etwas abgerückt werden. Danach kommen Distanzscheiben und EVO02 Adapter auf die Cantisockel, und die SSP Schraube wird eingedreht. Als Nächstes werden beide Bremszylinder aufgesteckt und fixiert. Die Höhe zur Felge wird bei diesem Schritt ebenfalls eingestellt. Wenn nötig passt man nun den Abstand zur Felge mit der Easy Mount Nase an und rotiert den Bremszylinder gleich mit in die richtige Position. Das alles geschieht sehr einfach und intuitiv.

neue Fahrradbremse montieren

neue Fahrradbremse montieren

Zuletzt muss nur noch der Griff am Lenker positioniert werden. Die Schelle ist dabei vollständig teilbar, das Setup am Cockpit kann also weitestgehend unberührt bleiben. Über Maguras praktische Shiftmix-Klemmen lässt sich so ziemlich jeder moderne Schalthebel direkt mit der Bremse kombinieren. Für Rahmen mit „altmodischen“ Zuganschlägen gibt es außerdem schöne Leitungsführungen, mit denen sich die Hydraulikleitung unauffällig und technisch sinnvoll am Rahmen befestigen lässt. Die habe ich leider vergessen und daher zur nächstschöneren Alternative gegriffen: variable polymerbasierte Einmalfixierer, in der Fachsprache auch Kabelbinder genannt.

Bremsen

Die Magura HS 22 EVO02 ist weder Abrissbirne noch Chirurg. Am ehesten würde ich sie als einen guten Butler bezeichnen: Sie ist immer für dich da, du kannst dich in jeder Situation auf sie verlassen; kurzum, sie tut ihren Dienst diskret, unaufdringlich und gewissenhaft. Die langen 3-Finger-Hebel muten vielleicht etwas ungewöhnlich an, in Zeiten wo man mit einem Finger auf nem 10-Cent Stück stoppen kann. Doch sie sorgen dafür, dass man die Bremse immer und überall sicher zu fassen bekommt – auf Langstrecke und im Stadtverkehr haben die Hände schließlich noch einiges mehr zu tun als sich nur schraubstockartig am Lenker festzukrallen.

zeitloses Design

zeitloses Design

Stichwort Kontrolle: Die HS 22 schnippt dich nicht gleich aufs Pflaster, wenn du sie mal schief anschaust. „Biss“ ist hier definitiv nicht das richtige Wort. Sie steigt sehr sanft ein und lässt sich dann mit zunehmendem Druck sehr gut modulieren, bis hin zu einer recht beachtlichen Endkraft. Die konnte ich bis jetzt noch nicht vollständig abrufen, die alten, flexenden Stahlrohre meines Diamondback gaben hier die Obergrenze vor. Doch auch daran hat Magura gedacht, es gibt einen Brakebooster zum Nachrüsten. Müsste ich mal tun...

4-Finger-Hebel

4-Finger-Hebel

Fazit

Die Magura HS 22 EVO02 Easy Mount ist eine durch und durch durchdachte und sinnvolle Bremse. Montage und Einstellung sind auch dank des Easy Mount Kolbens so einfach und unkompliziert wie bei kaum einem anderen Bremssystem. Ich muss zugeben, dass beide Leitungen schon vorgekürzt waren und daher kein Entlüften notwendig war. Aber auch das ist ja heutzutage längst kein Hexenwerk mehr.

Das Bremsverhalten vermittelt stets Souveränität und Sicherheit, man kommt immer und überall sanft und kontrolliert zum Stehen. Wer sich an meinen Bericht über den Schwalbe Marathon Supreme erinnert, weiß, dass ich es auch in der Stadt gern krachen lasse. Eine aggressive Fahrweise steckt die Bremse ebenfalls weg, man hat jedoch das Gefühl, dass sie das nicht gern macht. Also: Wer jede Bremsung aufs Letzte ausreizen will, sollte woanders suchen. Wer jedoch auf Sicherheit und Zuverlässigkeit setzt, liegt mit der HS 22 EVO02 Easy Mount nach wie vor goldrichtig.

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  • bike-components am 26. Januar 2017

    Hallo Nik,

    ja da gebe ich dir Recht. Scheibenbremsen haben einen geringeren Verschleiß und bessere Bremsleistung als Felgenbremsen. Scheibenbremsen sind auch Aufgrund ihrer Position am Bike, in der Mitte des Laufrades, nicht so dreckanfällig wie Felgenbremsen. Das ist, denke ich auch, ein Punkt für die bessere Haltbarkeit.
    Wenn Du aber viel auf sandigem Untergrund unterwegs bist, werden auch die Scheiben einer Scheibenbremse schneller dünner als auf Teer. Den gleichen Effekt hast Du natürlich auch bei Felgenbremsen, wenn sich Dreck zwischen Bremsbelag und Felge mogelt, wird die Flanke der Felge sehr stark beansprucht. Irgendwann ist die Flanke zu dünn und die Felge muss getauscht werden. Das ist aber kein Symptom von hydraulischen Felgenbremsen sondern ein generelles Felgenbremsen Problem.

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  • Nikolaus O. am 25. Januar 2017

    Hallo Dirk,

    (dieses Mal in deutsch? Schön!)

    Einen entscheidenden Nachteil hat eine hydraulische Felgenbremse aber schon, im Vergleich zur Scheibenbremse: sie reibt die Felge irgendwann durch.
    Habe deshalb grade i. A. eine durchgebremste Felge samt XT-Nabe für 100€ Materialpreis getauscht. Verbaut war Magura HS11 Felgenbremse. Km Stand ca. 20.000 km, Bj. 6.2012.
    Es wurde bei jedem Wetter und viel auf sandigen Waldwegen gefahren, also von daher wohl recht viel Verschleiß dadurch, zugegeben.
    In der gleichen Zeit mußte ich bei meiner eigenen umgerüsteten Magura Julie 2009 Scheibenbremse (vorne 50€ hinten 60€) lediglich einmal die Bremsbeläge für ca 20€ tauschen.
    Die Scheibenbremsbeläge halten also auch deutlich länger, als die Beläge der Felgenbremse.

    Es kommt also deutlich billiger und viel einfacher ist ein Belagwechsel auch.

    Freundl. Grüße: Nick -
    aus dem bierflaschenscherbigem Hannover-Linden,

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