Stefan genießt den imposanten Ausblick.

Gebietsvorstellung Gstaad und Saanen

Benjamin & Stefan 12. July 2017

Benjamin und Stefan waren mit BikeHoliday ein Wochenende in Saanen und haben die Pässe unsicher gemacht. Ob sich die Reise gelohnt hat, lest ihr hier.

Kaum regen sich auch im grauen Aachen die ersten grünen Blätter an den Bäumen und die Temperaturen steigen auf erträgliche Höhen an, erwacht auch schon wieder das Fernweh nach Bergen und einsamen Passstraßen in meinem Kollegen Stefan und mir. Um diesem Traum nicht allzu lange hinterherzuhängen, machten wir uns früh im Jahr auf in die Alpen, genauer in die Region rund um Gstaad und Saanen in der Schweiz. Über den Veranstalter Roadbike Holidays haben wir dann auch ein schnell ein passendes Hotel für uns gefunden.

Anfahrt aus Aachen

Nach kurzer Überlegungszeit stand der Schlachtplan. Das Auto bereits am Vortag beladen, brachen Stefan und ich bereits mitten in der Nacht zum Freitag auf, denn wir wollten vor Ort jede Fahrminute mitnehmen. Zwischen uns und dem Radfahren stand jedoch noch eine 7-stündige Autofahrt. Bereits kurz hinter der Grenze zur Schweiz klebten wir förmlich an der Scheibe und saugten das Alpenpanorama auf.

Der Weg zum Hotel war schon beeindruckend.

Der Weg zum Hotel war schon beeindruckend.

Überall sahen wir vermeintlich traumhafte Pässe, welche sich die Berge hinaufschlängelten. Als wir 50 km vor dem Ziel die Autobahn verließen, juckte es uns bereits in den Füßen die ersten Pedalumdrehungen zu machen, doch unser Warten wurde mit einer noch traumhafteren Gegend belohnt, als wir es uns bis dato vorstellen konnten. Vor lauter Staunen auf dem Parkplatz vom Hotel vergaßen wir beinahe das Einchecken.

Unterkunft

Untergekommen sind wir im Hotel Ermitage in Saanen. Direkt nach dem Einchecken wurden wir mit einem Champagner begrüßt und konnten aus dem Panorama-Bereich des Hotels noch etwas die Blicke in die Ferne schweifen lassen.

Ankunft am Hotel

Ankunft am Hotel

Doch auch von unserem luxuriösen Zimmer aus mussten wir nicht auf den Ausblick verzichten. Das Hotel bot alles und noch mehr, was man sich von einem Luxus- und Wellnesshotel wünschen kann. Neben hervorragendem Frühstück und unvergleichlichem Abendessen überzeugte das Hotel durch einen riesigen Wellnessbereich und hervorragenden Service. Für mich war dieses Hotel bereits die zweite sehr gute Erfahrung mit dem Veranstalter Roadbike Holidays.

Ankunft Hotel

Ankunft Hotel

Das Ambiente des Hotels ist luxuriös.

Das Ambiente des Hotels ist luxuriös.

Radfahren / Tag 1

Trotz allem Luxus wollten wir natürlich direkt mit den Rädern durchstarten, also nichts wie raus an die frische Bergluft und ein paar Pässe bezwingen. Das Wetter unterstütze unser Vorhaben mit mehr als 20° im Tal und strahlend blauem Himmel. Vor der Abfahrt hatten wir uns verschiedene Routen auf unsere Garmins gezogen.

Name Zeit Länge Aufstieg Abstieg
Giro di Röstigrabe 2 h 40.72 km 933 m 933 m
Giro di Simmental 2 h 45,54 km 1012 m 1012 m
Gstaads 4 Finger Loop 2,5 h 59,03 km 985 m 985 m
Königsrunde Nord 6,75 h 162,83 km 2693 m 2693 m
Strade Bianche di Simmental 3,5 h 79,8 km 1867 m 1867 m
Tour de Gastlosen 3 h 62,07 km 1686 m 1686 m
Tour de Gruyère 3,5 h 79,79 km 1328 m 1328 m
Tour de Gstaad classique 3 h 63,01 km 1178 m 1178 m
Tour de l'Hongrin 3 h 70,26 km 1068 m 1068 m
Tour de la reine sud 5,25 h 121 km 2830 m 2830 m

In der Region rund um Saanen gibt es eine Menge Routen unterschiedlicher Länge und Höhenprofilen, jedoch immer mit extrem hohen Erlebnisfaktor. Viele von diesen Routen sind auf der Homepage von Gstaad zu finden. Fünf Routen davon waren unsere Favoriten, wovon wir mindestens 2 fahren wollten. Am ersten Tag haben wir uns für eine 120km Runde entschieden, welche direkt vor unserem Hotel startete.

Diese sogenannte „Tour de la reine sud“-Runde wurde als schönste Panoramarunde der Gegend mit garantierter Höhenmetertortur beschrieben. Klingt also nach viel Spaß! Neben ein paar niedrigeren Pässen sollte die Route auch bis auf knapp 1767 Meter hoch gehen. Direkt nach Hotelabfahrt ging es zunächst stetig bergauf. Mit toller Kulisse ging es rauf auf den Col du Pillon, den ersten Pass auf unserer Route. Auf 1546 Metern Höhe lag hier noch Schnee, obwohl es bereits 12 Grad warm war. Wir staunten nicht schlecht, als tatsächlich ein Skifahrer unmittelbar bis an die Straße heranfuhr. Für beide Seiten bot diese Situation einen wohl eher surrealen Anblick, denn sowohl wir musterten den Skifahrer, als wäre er am falschen Ort, genauso wie er uns skeptisch beäugte. Schnell entstand bei allen Beteiligten jedoch ein Lächeln auf den Gesichtern und man machte Fotos vom jeweils anderen. Nett sind sie, die Schweizer. Jetzt nur schnell die Windweste drüber und ab ins dahinterliegende Tal.

Kleine Bergstraßen laden zum Aufstieg ein.

Kleine Bergstraßen laden zum Aufstieg ein.

Benjamin kämpft sich den Col de la Croix hoch.

Benjamin kämpft sich den Col de la Croix hoch.

Stefan genießt den imposanten Ausblick.

Stefan genießt den imposanten Ausblick.

Die schnelle Abfahrt bot eine gute Erholung, bevor es den Anstieg zum 1767 Meter hohen Col de la Croix hochgehen sollte, gefolgt vom 12 km Anstieg zum Lac Hongrin. Doch bereits nach wenigen Höhenmetern die Überraschung: eine Schranke, die darauf hinwies, dass der Pass wegen Schnee noch geschlossen sei. Noch während wir wild am Garmin rumtippten und überlegten, wie es nun weitergehen sollte, kam eine kleine Gruppe aus lokalen Rennradfahrern zur Absperrung. Nach kurzem Plaudern und dem Tipp, trotzdem hochzufahren, entschlossen wir uns zusammen den Col de la Croix so weit wie möglich zu erklimmen. Der Ausblick auf den schneeüberzogen Nachbarberg, die verlassene Passstraße und das traumhafte Wetter machten den Aufstieg zu einem spannenden Erlebnis.

Wie befürchtet standen wir jedoch irgendwann vor einem Schneefeld, welches uns die Weiterfahrt auf 1750 Metern versperrte. Kurz überlegten wir, ob wir die letzten paar Höhenmeter durch den Schnee laufen sollten, doch die einheimischen Fahrer sagten uns, dass auf der anderen Passseite, der Schattenseite, noch weit bis ins Tal runter Schnee liege. Also noch schnell ein paar schöne Erinnerungsfotos machen und dann wieder auf gleichem Weg zurück ins Tal. Mit einem kleinen Schlenker fuhren wir wieder über den Col du Pillon zurück zum Ausgangspunkt. Nach insgesamt 67 Kilometern waren wir zurück am Hotel. Zwar konnten wir die geplante Tour nicht wie gehofft fahren, dennoch war es eine wunderschöne Runde. 

Wegen Schnee gesperrter Alpenpass am Col de la Croix.

Wegen Schnee gesperrter Alpenpass am Col de la Croix.

Radfahren / Tag 2

Voller Vorfreunde standen wir am Folgetag sehr früh auf, denn wir wollten heute zumindest die 100 km schaffen. Geplant war die Route „Tour de Gryère“ von der Gstaad’er Homepage mit einer kleinen zusätzlichen Schleife. Der Blick aus dem Fenster war jedoch etwas ernüchternd. Etwas entgeistert schauten wir genauer hin: ja, tatsächlich Schneeregen.

Benjamin kurz vor der Kollision mit dem Skifahrer.

Benjamin kurz vor der Kollision mit dem Skifahrer.

Wir warteten noch etwas ab, ob es aufklaren würde, starteten dann aber einfach in einer kurzen Regenpause. Wolkenverhangene Berge und vor Nässe glänzende Wiesen haben ihren ganz eigenen Charme und boten uns ein komplett anderes Gesicht als am Vortag. Immer wieder von Schneeregen umhüllt, kürzten wir die Runde auf 30 km ab, ließen es uns aber nicht nehmen, den Col du Pillon vom Vortag noch einmal kurzerhand im Anschluss zu erklimmen.  

Stefan im Regen am Col Du Pillon.

Stefan im Regen am Col Du Pillon.

Fazit

Gerne hätten wir mehr Kilometer und noch viel mehr Höhenmeter gemacht in unseren zwei Tagen vor Ort. Die Region rund um die Orte Gstaad und Saanen war wohl der schönste Teil der Alpen, in dem ich bisher war. Das Panorama ist unbeschreiblich, die Menschen sind sehr freundlich und die Straßen ideal zum Rennradfahren. Viele schöne Strecken mit unterschiedlichen Konditionsansprüchen sind im Internet ausgeschrieben, zum Beispiel auf der Homepage von Gstaad. Unsere Ungeduld und das Fernweh trieben uns jedoch etwas zu früh im Jahr in die Ferne. Für einen Rennradurlaub würde ich empfehlen bis mindestens Juni zu warten. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit von gutem Wetter und die Pässe sind wieder geöffnet. Mit offenen Pässen ist diese Region in der Schweiz ein absolutes Traumziel. Wer im Winter herkommen will, sollte auf jeden Fall die Skier im Gepäck haben. Für mich ist eines gewiss, gerne komme ich zu einem Rennradurlaub noch einmal hierher zurück. Immerhin müssen der Col de la Croix und der Anstieg zum Lac Hongrin noch bezwungen werden. Ein passendes Hotel werde ich dann auch wieder über Roadbike Holiday buchen.