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10 Jahre TrailTrophy – Organisator Thomas Schlecking im Jubiläums-Gespräch

Was macht die TrailTrophy nicht nur besonders, sondern seit 10 Jahren auch so beliebt? TT-Chef Thomas Schlecking hat es uns verraten...

Vor rund zwei Wochen, am 11. Mai startete die TrailTrophy, kurz TT, mit dem Rennen in St. Andreasberg in die zehnte Saison. Darauf folgen nun Latsch/Südtirol, Breitenbrunn/Deutschland, St. Caterina/Italien und Flims-Laax/Schweiz. Aus dem Veranstaltungskalender Trail-suchender Mountainbiker ist die Rennserie nicht mehr wegzudenken. Und das bereits seit 2010. Was also ist das Erfolgsrezept? Wir haben uns mit Thomas Schlecking, dem Inhaber von Bike Projects und Veranstaltungschef der TrailTrophy unterhalten…

Thomas, Glückwunsch als allererstes: 10 Jahre TrailTrophy – das ist länger als die meisten anderen Jedermann-Veranstaltungsreihen im MTB-Sport. Was ist das Erfolgsgeheimnis der TT?

Dankeschön. Das Erfolgsgeheimnis? Ich glaube, es ist eine Mischung aus der Wahl unserer Veranstaltungsorte, garniert mit attraktiven Trails: Angefangen von Latsch, wo wir 2010 gestartet sind über Orte wie Breitenbrunn im Erzgebirge und Lenzerheide in Graubünden – das ist ein guter Mix und dadurch variiert auch die Charakteristik der Trails. Im Rahmen der Möglichkeiten haben wir so immer für Abwechslung gesorgt und hier und da auch neue Trails mit einbauen können. 

Über dem allem steht aber natürlich der Grundgedanke der TrailTrophy: Anders als bei gewöhnlichen Rennformaten geht es um mehr als nur darum, die Startnummer abzuholen, Rennen zu fahren und die Nummer wieder abzugeben. Es ist ein Gesamtpaket, bei dem man an attraktiven Orten entspannt mit Freunden rollen gehen und zwischendurch auf den Stages Gas geben kann. Das macht es aus, denke ich.

 

Thomas Schlecking TrailTrophy Latsch Vinschgau

Nutzte seinen Draht ins Vinschgau, um dort 2010 die erste TrailTrophy auf die Beine zu stellen: Thomas Schlecking.

Wie entstand damals die Idee zur TrailTrophy?

Die initiale Idee entstand 2008 und geplant war, dass wir 2009 mit der ersten Veranstaltung starten. Das Ganze hatte sich aber etwas hingezogen und wir haben es schlussendlich erst im Frühjahr 2010 geschafft, die Premierenveranstaltung in Latsch auf die Beine zu stellen. Uwe Buchholz hatte zu der Zeit – noch vor einer Specialized Enduro Series oder der Enduro World Series (EWS) – schon Rennen durchgeführt, bei denen man auf hohem Niveau, vor allem aber mit seinen Buddies um die Wette fahren konnte. Das war und ist der Ansatz, der mir gefiel. Ich komme vom nicht-wettkampforientierten Singletrail-Fahren, war früher beim Mountainbike Magazin. Und ich wollte einfach etwas organisieren, wo Leute hinkommen, die keinen Bock mehr auf Downhill-Rennen haben und auch Leute starten, die vorher noch nie ein Rennen gefahren sind. Das Rennen – wenn der Begriff denn überhaupt passt – sollte einen spielerischen Charakter haben. Also sind wir in den Wald und haben das ausprobiert, ehe wir die erste TrailTrophy in Latsch durchgezogen haben.

Latsch war 2010 der Premierenort der TrailTrophy. Wie kamst Du auf Latsch und wie haben die Verantwortlichen vor Ort auf Deine Anfrage reagiert? Immerhin hat die TrailTrophy einen sicherlich nicht unwesentlichen Anteil an der Popularität der Region….

Das hängt ein Stück weit mit der Motorpresse zusammen. Ich habe für das Mountainbike Magazin vier Jahre lang das Testival betreut. Und bei der Suche nach einer passenden Location bin ich per Zufall in Latsch gelandet. Dort bin ich mit der Idee, den Ort mehr in den Mittelpunkt zu stellen, auf offene Ohren gestoßen. Die Infrastruktur profitiert natürlich viel stärker von den Menschen bei einem Testival (oder jeder anderen Veranstaltung), als vom Material. Schließlich übernachten nicht die Bikes, sondern die Fahrer. 
Mit der TrailTrophy konnte ich das noch intensivieren und von Beginn an lief das sehr stark über einige umtriebige Hoteliers in Latsch und Umgebung. In der Gesamtorganisation haben wir von Beginn an stark mit dem ASV Latsch, dem örtlichen Sportverein zusammengearbeitet, ohne den die Veranstaltung in Latsch so auch gar nicht machbar wäre. Dadurch sind noch einmal mehr Ortansässige mit eingebunden,um Vorbereitung, Durchführung und Nacharbeit einer solchen Veranstaltung reibungslos hinzubekommen. 

Zeitreise TrailTrophy Premiere 2010

Zeitreise: das Orga-Team der ersten TrailTrophy.

Angefangen hat also alles im Vinschgau – was kam dann?

Wir hatten immer den Gedanken im Kopf, die TrailTrophy zur Serie auszubauen. Im zweiten Jahr kam daher die Lenzerheide dazu. Aber wir erwischten einen wirklich schwierigen Start mit 20 cm Schnee im Tal. Und eine Serie hatten wir mit zwei Veranstaltungsorten auch nicht wirklich. Als dann 2013 das Trailcenter Rabenberg eröffnet wurde, an dem wir in Sachen Planung und Umsetzung mitgearbeitet hatten, war klar: Hier muss eine TrailTrophy stattfinden. Seit damals (und bis heute) ist Rabenberg einer unserer Austragungsorte und seither können wir auch von einer Serie sprechen…
2015 kamen im Kalender außerdem noch der Harz und der Kronplatz dazu, seither umfasst die TrailTrophy fünf Austragungsorte. Aus der Lenzerheide haben wir uns 2017 verabschiedet und sind nach Flims-Laax umgezogen. In diesem Jahr, 2019, ersetzt Santa Catherina den Kronplatz und feiert TrailTrophy-Premiere, während ein paar Kilometer weiter in Latsch das Zehnjährige ansteht. Der Kronplatz aber bleibt uns als Race-Location erhalten, da dort das Finale unserer neuen zweiten Serie, der Alpine Enduro Series powered by SANTA CRUZ, stattfindet.

Hand aufs Herz: Was war aus Sicht des TrailTrophy-Initiators die beste TT-Veranstaltung in all den Jahren? 

Das ist ziemlich schwer zu sagen, denn wir haben über die Jahre rund 30 Events veranstaltet. Und die Erinnerung an jüngere ist natürlich frischer. Denkwürdig in jedem Fall war über alle Veranstaltungen, dass wir in fünf Jahren Lenzerheide vier Mal am Vortag wegen des Wetters umplanen mussten. Die vielleicht rundeste Veranstaltung war die erste TrailTrophy in Flims-Laax. Das lief gleich im ersten Jahr richtig gut und natürlich war es ein echtes Highlight, in den hochalpinen Regionen Graubündens bis 2800 Meter über dem Meer unterwegs zu sein. Und noch ein Highlight aus Veranstaltersicht, wenn man so möchte: Die TrailTrophy Latsch 2018 war ein ganz, ganz, ganz rundes Ding.

"Latsch 2018 war ein ganz, ganz, ganz rundes Ding."

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Und die schlimmste?

Schlimm – wie ist das einzuordnen… Vielleicht aufreibend für uns Veranstalter: Die Schlimmste so gesehen war die Premiere der TrailTrophy in der Lenzerheide, die seinerzeit vom Tourismus von Samstag bis Montag gewünscht wurde:  Am Samstag hatten wir 18 Grad. Am zweiten Tag noch 5 Grad und Regen. Und in der Nacht fielen sogar im Tal 20 Zentimeter Schnee. Da sah es auf den Stages weiter oben wüst aus. Am Abschlusstag (im Übrigen ein Montag!) haben wir mit ungefähr der Hälfte der ursprünglichen Teilnehmer – die anderen sind wetterbedingt nicht mehr gestartet – zwei Stages durchgezogen. Bis heute sagen diejenigen, die am Montag angetreten sind: legendär. Aber es war wirklich grenzwertig.

Für die TrailTrophy greifst Du immer auf bestehende Wege zurück, es wird kein Weg neu – temporär oder fortwährend – für die Veranstaltung angelegt. Warum? 

Wir haben schon im einen oder anderen Fall Trails für die Trophy in Betrieb genommen. Allerdings nie nur für das Rennen, sondern gewissermaßen als Auftakt und für eine weitere Nutzung im Anschluss. Im Harz haben wir in sehr enger Abstimmung mit dem Forst zwei neue Stages mit auf dem Programm. Und es kommt natürlich vor, dass eine Destination sagt, wir hätten gerne MTB-Trails. Da beraten wir und/oder setzen die Anlage der Trails um. Aber das geschieht dann immer mit einer längeren Perspektive, nie für die TrailTrophy allein.

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Betreibt Ihr im Nachgang der Veranstaltungen so etwas wie Wegepflege?
Ja, wir betreiben Wegepflege. Das passiert sogar zwei Mal: Wir gehen vor der Veranstaltung die Trails ab, bessern aus, schaffen Steine raus, solche Sachen. Hinterher machen wir das gleiche noch einmal. Zudem haben wir seit dem letzten Jahr unser so genanntes TrailCare-Programm: Unsere Sponsoren stiften ein hochwertiges Rad als Hauptgewinn einer Verlosung. Im letzten Jahr hatte das einen Wert von 10.000 Euro. Die Lose verkaufen wir während der TrailTrophy-Events für zwei Euro pro Stück und der Erlös geht komplett an die Trail-Crews der jeweiligen Veranstaltungsorte. 2018 sind dabei fast 7.000 Euro zusammengekommen.

Stichwort Wegepflege: Das Thema Infrastruktur, also Strecken für Mountainbiker, beschäftigt inzwischen Touristiker im gesamten deutschsprachigen Raum (Alpen und Mittelgebirge). Die Nachfrage steigt, auch durch die stetige Verbreitung der E-MTBs. Wie siehst Du die Entwicklung?
Da will ich mich gar nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Der Druck auf die Trails nimmt gefühlt zu, ja. Aber das ist nur mein subjektiver Eindruck. Statistisch müsste man auswerten: Sind das tatsächlich neue Fahrer und somit mehr Leute auf den Trails als früher? Oder sind es nur Verschiebungen, weil gleicher Sportler aber anderes Rad?!?

Wenn Du die TrailTrophy noch einmal erfinden müsstest: Was würdest Du anders machen und warum?
Vom Grundsatz würde ich gar nicht so richtig viel anders machen. Klar, wir sind professioneller geworden mit der Zeit, aber das ist eine normale Entwicklung: Bei der ersten TrailTrophy hatten wir absolute Freiwilligkeit am Start, wodurch mitunter in sehr engen Abständen gestartet wurde. Dadurch gab es hier und da mal einen Stau auf dem Trail. Die Technik von Sportident, unserem Timing-Partner, hat hier aber einen positiven Lerneffekt bewirkt.

"Schön wäre zum Beispiel, wenn wir im deutschen Alpenraum etwas durchführen dürften."

Gibt es einen speziellen Ort, an dem Du gerne einmal eine TT veranstalten würdest…?

Es gibt in den Alpen schon noch Perlen, wo man etwas machen könnte. Schön wäre zum Beispiel, wenn wir im deutschen Alpenraum etwas durchführen dürften. Oder die Genehmigungsauflagen wie im Pfälzer Wald nicht so rigoros ausfallen würden. Für den (deutschen) Alpenraum muss man aber doch sagen, dass entweder die Trails nicht vorhanden sind, um eine würdige TrailTrophy durchzuziehen. Oder die Kommunen sagen nach anfänglichem Interesse und bei näherer Betrachtung dann doch: Nein, danke!

Ganz generell: Wie sehen die nächsten zehn Jahre der TrailTrophy aus? 

Wir wollen unserer Linie treu bleiben und die TrailTrophy in der Wahrnehmung als schönes Wochenende auf dem Bike mit Zeitnahme erhalten. Dafür jedes Jahr neue Trails, neue Orte, eine gewisse Abwechslung. Und ich hoffe, dass dieser Spirit of Enduro nach wie vor erhalten bleibt: dass man sich mit einem spielerischen Wettkampfgedanken an die Startlinie stellt. Die TrailTrophy heißt ganz bewusst nicht EnduroTrophy. Denn Trail-Fahren ist eine der wesentlichen Essenzen im Mountainbiken. Und die vorhandenen Wege sind das eine Mal leichter, das andere Mal schwerer zu bewältigen. Aber immer mit einem Grinsen im Gesicht zu beenden.

Harald Philipp TrailTrophy Latsch Jubiläum

Prominenter Teilnehmer bei der Erstauflage: Harald Philipp im Zwischensprint.

Scott Bikes Rainer Gerster

Auch der damalige Marketing-Manager von Scott ließ es sich nicht nehmen...

Lapierre Zesty TrailTrophy Rückblick

In punkto Bikes und Ausrüstung hat sich seither ein klein wenig getan...

Inside Line TrailTrophy Latsch

Möge das Material auch anders ausgesehen haben – die Inside-Line war auch damals schnell.

TrailTrophy 2019

  • St. Andreasberg/Harz 11./12.05.2019
  • Latsch/Vinschgau 24./25./26.05.2019
  • Breitenbrunn/Erzgebirge 15./16.06.2019
  • St. Caterina/Sondrio 05./06./07.07.2019
  • Films-Laax/Graubünden 16./17./18.08.2019

Nicht ganz so weit blickend: Was wird dieses Jahr das TT-Highlight?

Ehrlich gesagt, es gibt aus meiner Sicht dieses Jahr nicht nur ein, sondern gleich drei Highlights: 

  • In St. Andreasberg fand zum Auftakt der Saison eine zweitägige Trophy mit neuen Stages und 1000 Höhenmeter am ersten Tag statt. Das hatte für mich Highlight-Charakter.
  • In Latsch passiert zum Zehnjährigen ein bisschen mehr Drumherum, aber alles auf normalem Level. Das Essen ist besonders, wir haben einen Musiker engagiert und zeigen Fotos und Filme aus den letzten zehn Jahren.
  • Und dann ist da noch unser jüngster Austragungsort St. Caterina: Ich selbst war zuletzt vor zwölf Jahren dort, aber erinnere mich noch sehr gut an abwechslungsreiche, hochalpine Trails. Alles auf TT-Niveau, nicht weit vom Vinschgau entfernt. Aber komplett anderes Terrain. Die Stages haben Cornelius und Johannes aus unserem Team gescoutet. Ich kenne den Verlauf nur von Bildern und auf der Karte. Daher bin ich gespannt, wie es sich auf dem Rad anfühlen wird.

Organisator der TrailTrophy ist Deine Firma Bike-Projects. Was war zuerst da, die TrailTrophy oder die Firma?

Als ich beim Mountainbike Magazin aufgehört habe, da war mein ureigentlicher Antrieb in der Selbständigkeit, touristische Regionen zielgruppenorientiert voranzubringen. So entstand Bike-Projects. Erst dann kam eben 2008 die Idee für die TrailTrophy auf. Und es ergaben sich dadurch Parallelen bzw. ließ sich das eine mit dem anderen verbinden: Schließlich profitieren ja die Regionen in touristischer Hinsicht vom Produkt TrailTrophy enorm. Über die Zeit hat sich übrigens auch das Profil der TrailTrophy geschärft. Das bekommt man als Starter vielleicht gar nicht so mit, aber trotz der Veränderungen im Sport – Stichwort Professionalisierung durch die EWS beispielsweise – sind wir unserem Grundgedanken immer treu geblieben. Das kann man, finde ich, an unserem Slogan sogar ablesen: Der lautete anfangs „The Soulride Expierence“, dann „Great Enduro Experience“ und seit 2013/2014 schlicht „Spirit of Enduro“. Das sagt für uns kurz und knapp aus, worum es geht: gute Trails und nette, gleichgesinnte Leute.

TrailTrophy Socialising Latsch Get-Together

The Spirit of Enduro (nach dem Radfahren)!

Ihr organisiert und veranstaltet aber nicht „nur“ die TrailTrophy. Was treibt Ihr sonst noch?

Ja, wir haben neben der TrailTrophy tatsächlich noch einige andere Dinge auf unserer ToDo-Liste: Die TrailTrophy richtet sich als sehr atmosphärische Veranstaltung an Jedermann. Weil dort aber auch immer wieder ambitioniertere Fahrer an den Start gehen, dachten wir uns, dass die relativ große Lücke zwischen der TrailTrophy und der EWS gefüllt gehört. So entstand, aufbauend auf dem 3-Länder-Enduro am Reschenpass, die für 2019 neue Alpine Enduro Series. Sie ist geografisch betrachtet relativ kompakt verteilt. Dadurch ist die Serie auch für Privatleute attraktiv, die kein Sponsoring-Budget für Rennteilnahmen haben. Auch die Alpine Enduro Series richtet sich an Jedermann, aber vielleicht besonders an die, die einen Tick ambitionierter unterwegs sind.
Neben diesen beiden Serien veranstalten wir außerdem dreimal pro Jahr ein Hersteller-Festival auf B2B-Ebene. Das ist deutschen Herstellern vorbehalten, stellt das Thema German Engineering in den Mittelpunkt und heißt folglich: Germany’s Finest. 
Und wir sind planerisch und beratend in verschiedene Streckenprojekte und Trailparks involviert. So wie wir es in der Vergangenheit in Brilon und Rabenberg waren, wenn es um qualitative Wegenetzwerke geht. Aktuell sind das wiederum zwei Projekte, von denen eines im vorderen Sauerland in Kürze in Teilbereichen in die Umsetzung geht.