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Schottenhelm statt Schottenrock: Endura MT500 Full Face Helm

Georg 01. August 2019

Halbschalen-Helme finden sich bei Endura schon länger. Halbe Sachen sucht man dagegen vergeblich. Das beweist auch der neue Endura MT500 Full Face Helm.

Beim Kopfschutz hört jeder Spaß auf. Kompromisse in Sachen Belüftung oder Gewicht eines Helms mögen vielleicht noch akzeptabel sein, aber bei der Schutzwirkung sind Zugeständnisse vollkommen fehl am Platz. Das gilt umso mehr, je höher die Geschwindigkeit ausfällt. Vor diesem Hintergrund ist es äußerst erfreulich zu sehen, wohin im breiten Angebot der Helmhersteller die Reise in Sachen Kopfschutz geht. Auf dem gesamten Markt. Bei Halbschalen-Modellen wie auch bei Vollvisier-Helmen: Die einschlägigen Marken geben sich größte Mühe, die wichtigsten Charaktereigenschaften eines guten Helms – namentlich Schutz, Ventilation und Gewicht – in ein bestmögliches Verhältnis zu setzen. Dieser Herausforderung stellen sich seit Frühsommer mit dem MT500 Full Face Helm auch die Schotten von Endura .Wir hatten zu Beginn der Bike-Saison in den norditalienischen Gefilden des Gardasees Gelegenheit, diesen Helm zu fahren. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Mit Downhill-Zertifizierung reiht sich der neue Endura Deckel direkt in die erste Startlinie ein. Und ja, verdammt: der Helm ist wirklich leicht!

Fullface-Helm Wangenpolster Serienprodukt

Die Wangenpolster der Vorab-Version waren für meinen Unterkiefer noch zu dünn. In der Serie entsprechen sie aber einem Maß, das ich als 'normal' bezeichnen würde. Und der Helm passt erstklassig.

Endura Enduro Full-Face Goggle

Der nicht verstellbare Visor lässt zwar keinen Platz für die Goggle unterhalb des Schilds, aber es gibt ja andere Möglichkeiten.

Wider die Massenträgheit

Angesichts der Tatsache, dass der Kopf nun einmal der höchste Punkt des menschlichen Körpers ist und der Helm in der Regel auf diesem sitzt (oder sitzen sollte), ist das ein Kernkriterium. Neben der Schutzfunktion natürlich, aber das sagten wir bereits. Warum? Weil ein schwerer Helm mehr Haltearbeit der Nackenmuskulatur erfordert. Und man deshalb a) in diesen Partien schneller ermüdet und b) die Auswirkungen auf die Halswirbelsäule im Falle eines Sturzes nicht gänzlich außer Acht zu lassen sind. Zwar kenne ich dazu keine medizinische oder biomechanische Studie, aber gesunder Menschenverstand und ein Blick auf die Gesetzmäßigkeiten der Physik in Sachen Massenträgheit schadet ja auch nicht. Um aber zurück zum Helm zu kommen: Beim Endura MT500 Full Face fühlt es sich gewichtsmäßig so an, als trage man eine Halbschale. Und das möchte ich so dann auch erst einmal stehen lassen!

Koroyd® wer? 

Beim MT500 Halbschalen-Modell ging Endura erstmals den Weg, die so genannte Koroyd®-Technologie in einem Helm einzusetzen. Das giftgrüne Material zog alleine der Farbe wegen Blicke auf sich, zeigt seine wahre Gestalt aber erst bei näherer Betrachtung. Was zunächst aussieht wie ein eingefärbtes Geflecht aus zerstückelten und aneinander geklebten Trinkhalmen, weist außergewöhnliche Absorptionseigenschaften auf. Die auf die Koroyd®-Struktur auftreffende Kraft wird – anders als in vielen anderen Systemen – linear abgebaut. Anders als progressiv verlaufende Kennlinien bei Helmen, zeigt das, dass die einwirkende Kraft tatsächlich abgebaut und nicht wie in einer Feder kurzzeitig gespeichert und dann wieder abgegeben wird. Das kann man jetzt kurzerhand als Eigenart auslegen und sagen, die Zertifizierungsstandards nach ASTM F1952 und CE Standard EN1078:2012 + A1:2012 erfüllen auch andere Helme und die Kennlinie spielt keine so große Rolle. Aber: die äußerst guten Absorptionsfähigkeiten gestatten ein wirklich niedriges Helmgewicht und als Downhill-zertifizierter Kopfschutz bringt der MT500 Full Face Helm keine 700 Gramm auf die Waage…

Gretchenfrage: Schlagschutz oder Hitzschlag?

Übrigens behindert die vertikale (vom Kopf ausgehend) Anordnung der Halme oder Waben die Belüftung nicht negativ. Oder zumindest für mich nicht wahrnehmbar. Durch die ausreichend groß dimensionierten Lüftungskanäle in der Oberschale strömt genug Frischluft für eine angenehme Ventilation. Hitzestau erlebt man im MT500 Vollvisier-Helm daher so gut wie nicht. Auch der Kinnbügel behindert die Ventilation und besonders wichtig, die Atmung, nicht. Wer schon einmal eine Transferetappe im Enduro-Rennen bei 35 Grad bergauf mit einem herkömmlichen Downhill-Helm bestritten hat, der weiß das zu schätzen. Weil man aber dennoch schwitzt, stattet Endura den Helm mit einem antibakteriellen Liner aus. Zudem trocknet die Polsterung nach meiner Auffassung recht schnell. Auch wenn mein Statement hier nur eingeschränkt gilt: Beim Test am Gardasee bekamen wir ein Vorab-Modell in die Hände gedrückt bzw. auf den Kopf gestülpt. Dessen Polster waren, besonders an den Wangen nicht von der gleichen Materialstärke und -qualität wie das Serienprodukt. Dadurch hatte ich beim initialen Test etwas mit der Passform im Bereich des Unterkiefers zu kämpfen. Das hat sich durch die nun serienmäßig verbauten, per Klett fixierten Wangenpolster aber komplett erledigt. Der Kopfschutz sitzt bei mir wie eine Eins! Und in Sachen Trocknungszeit ist das (Zeit-)Fenster ebenfalls erstklassig.

Ausstattungsdetails

Bliebe noch der Blick auf die Ausstattungsdetails. Das möchte ich mit der grundlegenden Konstruktion einleiten, denn mir gefällt der einteilige Kinnbügel, der fest am Helm angebracht ist. Das Ding ist stabil und strahlt Sicherheit aus. Auch den Koroyd®-Einsatz am Kinnbügel vorne finde ich schick. Übrigens eine bewusste Wortwahl, da ich denke, der Einsatz hat an dieser Stelle vor allem optische Effekte. Trotzdem ist – wie schon erwähnt – das Atmen durch den Kinnbügel komplett unproblematisch. Gleiches gilt für die Anpassungsfähigkeiten des Helms an verschiedene Kopfformen: Das Verstellrädchen am Hinterkopf ist höhenverstellbar, auch die Ansatzpunkte des Innenlebens lassen sich verstellen und somit an unterschiedliche Schädel anpassen. Für mich als Bartträger zeigte sich auch einmal mehr der Vorteil eines gepolsterten Kinnriemens. Da hakt nix, außer der magnetische Verschluss zur sicheren Fixierung des Helms auf dem Kopf. Den wirklich einzigen – und nach meiner Auffassung zu vernachlässigenden – Wehmutstropfen bildet der Visor. Dieser ist nämlich nicht verstellbar und ist somit vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Aber: Dafür kann man auch keine Feststellschrauben verlieren…

Meine persönliche Suche nach dem richtigen Helm für den Einsatz bei Enduro-Rennen oder auf selbst zu ertretenden, technischen Trails ist seit Vorstellung des MT500 Full Face Helms definitiv beendet. Auch wer eine sehr leichte Full Face-Option für den Bikepark sucht, dürfte begeistert sein. 'Zu schwer und verschwitzt' gehören mit dem MT500 Full Face definitiv der Vergangenheit an.

Du hast Fragen zum Koroyd®-Material? Schreib uns!“

Georg

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Blogkommentare werden mit Vornamen und erstem Buchstaben des Nachnamens veröffentlicht.
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