Der große Gravelbike-Reifen-Guide
Mit Reifentuning zu mehr Geschwindigkeit, Komfort oder Grip? Erfahre hier, wie Du Deinen perfekten Gravelbike-Reifen findest.
Mit dem richtigen Luftdruck hast Du auf dem MTB mehr Spaß, Grip und Kontrolle. Wir erklären, wie Du das Optimum findest.
Die Reifen sind Dein Kontakt zum Trail und haben großen Einfluss darauf, wie sich Dein Mountainbike oder E-MTB fährt. Aber nicht nur die Wahl der Reifen ist entscheidend, sondern auch der Luftdruck. Mit ihm kannst Du Dein Bike präzise auf Deinen Fahrstil abstimmen und sogar auf Streckenverhältnisse anpassen. Das ist praktisch kostenloses Tuning! Profis kitzeln damit wertvolle Sekunden heraus und Fans des Genussradelns können mit dem passenden Reifendruck den Spaß im Gelände maximieren. Egal ob Downhill, Enduro, Trail, Tour oder XC: Alle profitieren! Wir geben Dir Praxistipps, wie Du den perfekten Luftdruck für Dein MTB oder E-MTB findest.
Um zu verstehen, wie mächtig der Faktor Luftdruck ist, hilft ein Überblick darüber, wie und wo er die Performance Deines MTBs oder E-MTBs beeinflusst. Dein optimaler Reifendruck ist immer eine Balance dieser Eigenschaften und hängt von Deinen individuellen Prioritäten ab.
Wir würden Dir gerne konkrete Luftdruckwerte an die Hand geben, aber tatsächlich spielen beim idealen Reifendruck am Mountainbike so viele Faktoren zusammen, dass sie sich nicht in einer einfachen Tabelle abbilden lassen. Es gibt Online-Tools und Apps, die viele Parameter berücksichtigen und Dir gute Ausgangswerte liefern, wie zum Beispiel der Schwalbe Pressure Guide oder SRAMs Ratgeber. Ausgehend davon kannst Du Dich mit unseren Tipps ans Finetuning wagen. Aufgeteilt in „harte" und „weiche" Faktoren findest Du hier Hinweise, welche Punkte dafür sorgen, dass Du den Reifendruck erhöhen solltest und welche einen niedrigeren Druck erlauben. Vorausgesetzt, alle anderen Faktoren bleiben gleich. Lass Dich von der Länge der Liste nicht abschrecken! Es reicht bei vielen Punkten, mal davon gehört zu haben, um ein besseres Gefühl für Deinen optimalen Luftdruck zu bekommen.
Harte Faktoren, die sich nur ändern, wenn Du Teile an Deinem Bike tauschst:
Weiche Faktoren hängen teils von äußeren Umständen ab und können sich von einer zur nächsten Ausfahrt ändern.
Ob Du zu Hause mit einer Standpumpe pumpst oder einen Kompressor nutzt und unterwegs eine Handpumpe oder eine Akku-Pumpe dabeihast, ist Geschmackssache. Wichtig für den Luftdruck ist, womit Du misst. Hohe Ablesegenauigkeit (fürs MTB mindestens 0,1 Bar) und zuverlässig reproduzierbare Messergebnisse sind entscheidend. Wenn Du eine Pumpe mit gutem integriertem Manometer nutzt, dann kann das schon ausreichen. Wenn Du mehrere Pumpen benutzt, dann solltest Du beachten, dass die Messungen voneinander abweichen können. Selbst bei zwei Pumpen gleicher Bauart gibt es da oft Streuungen. Es lohnt sich, alle Deine Pumpen mit Manometer miteinander abzugleichen.
Ideal ist ein separater Luftdruckprüfer, mit dem Du unabhängig von der Pumpe messen kannst. Die meisten digitalen Handmanometer sind so klein, dass Du sie leicht mit auf Tour nehmen kannst und so auch unterwegs nicht auf Schätzungen mit dem Daumen angewiesen bist. Viele Luftdruckprüfer haben eine Taste, mit der Du Luft ablassen kannst. Wenn Du beim Aufpumpen ein kleines bisschen härter aufpumpst, kannst Du den Druck damit anschließend durch Ablassen sehr präzise einstellen. Wichtig: Auch verschiedene Handmanometer können voneinander abweichen. Nutze am besten immer Deinen eigenen, dessen Werte Du kennst.
Wenn Du jederzeit genau wissen willst, wie es um den Luftdruck in Deinen Reifen steht, dann kannst Du Ventile mit integrierten Sensoren montieren, die den Druck kontinuierlich messen und per Funk auf Deinem Smartphone und kompatiblen Fahrradcomputern anzeigen. Diese warnen Dich auch, wenn der Luftdruck vom eingestellten Sollwert abweicht.
Idealerweise solltest Du Deine Reifendruckwerte dokumentieren. Insbesondere, wenn Du viel experimentierst, empfehlen wir, die Messwerte in einem Notizbuch aufzuschreiben oder in Deinem Smartphone zu notieren und Fahreindrücke zu ergänzen. So kannst Du später vieles nachvollziehen und zum Beispiel Reifen mit unterschiedlichen Karkassen besser miteinander vergleichen.
Ein Luftdruckprüfer gehört in jede Fahrradausrüstung – so kontrollierst Du schnell, ob Dein Reifendruck für die nächste Tour passt. © bc GmbH
Wenn Du die oben beschriebenen Einflussfaktoren kennst, Pumpe und Manometer zur Hand hast, dann kannst Du das Finetuning angehen. Es ist sinnvoll, mit etwas höherem Druck zu starten und Dich durch Luftablassen in kleinen Schritten herunterzutasten. Je näher Du an den Grenzbereich kommst, desto kleiner sollten die Schritte ausfallen. 0,1 Bar können oft schon einen spürbaren Unterschied bewirken. Wenn Du merkst, dass Du zu viel abgelassen hast, dann kannst Du einfach wieder etwas aufpumpen.
Zwischen den Schritten solltest Du immer wieder testen. Am besten auf einem Stück Trail, das Du dann wiederholst – mit Wurzeln, Steinen und Kurven, in denen Du den Grip beurteilen kannst. Du kannst aber auch auf einer Tour nach und nach den Reifendruck optimieren. So vergleichst Du zwar nicht exakt dieselben Streckenabschnitte, aber oft gibt es ähnliche Sektionen und Du deckst insgesamt ein breiteres Spektrum an Fahreindrücken ab. Außerdem kannst Du auch im Stand ein paar Tests durchführen, die Dir Hinweise darauf geben, ob Du zu viel oder zu wenig Druck in den Reifen hast.
Es ist nicht nötig, nach jeder kleinen Anpassung zu messen. Aber sobald Du einen Luftdruck gefunden hast, der Dir taugt, lohnt es sich, die Werte zu erfassen. So kannst Du das gute Fahrgefühl und die Reifen-Performance jederzeit gezielt reproduzieren.
Beim Reifendruck-Finetuning lohnt sich Geduld: Taste Dich in kleinen Schritten an den optimalen Druck heran und teste immer wieder auf dem Trail. © bc GmbH
Es gibt ein paar Punkte, die Dir zeigen, dass Du den Luftdruck noch weiter senken kannst, um die beste Performance aus Deinen Reifen herauszuholen:
Mit etwas weniger Reifendruck passen sich MTB-Reifen besser dem Untergrund an – das bringt mehr Grip und Kontrolle auf ruppigen Trails. © bc GmbH
Wenn Du den Druck nach und nach reduziert hast, dann kündigt sich der Grenzbereich durch einige deutliche Hinweise an. Erhöhe den Druck wieder etwas, wenn folgendes auftritt:
Zu wenig Reifendruck erhöht das Risiko von Durchschlägen – besonders auf ruppigen Trails mit Steinen und Wurzeln. © bc GmbH
Viele Mountainbiker:innen haben ihr Bike (oder mehrere) zu Hause in der Wohnung stehen. Wenn das auch bei Dir so ist und Du den Luftdruck vor einer Ausfahrt in einem beheizten Raum einstellst, dann solltest Du in den kälteren Jahreszeiten berücksichtigen, dass der Druck im Reifen sinken wird, wenn die Luft darin auf Außentemperatur abkühlt. Wie groß der Effekt ist? Wir haben es ausprobiert: Am Hinterreifen, den wir bei 20 Grad Celsius auf genau 2,00 Bar gepumpt hatten, konnten wir bei etwa null Grad auf dem Trail mit demselben Manometer nur noch 1,80 Bar messen. Der Luftdruck am Vorderreifen fiel von 1,50 auf 1,34 Bar. Du kannst also grob mit zehn Prozent Verlust rechnen, wenn der Temperaturunterschied 20 Grad Celsius beträgt. Bei der nächsten Gelegenheit kannst Du zu Hause einfach das entsprechende Bisschen mehr in die Reifen pumpen.
Bei kalten Temperaturen verändert sich auch der Reifendruck. Ein kurzer Check vor der Fahrt sorgt für Grip und Kontrolle auf winterlichen Trails. © bc GmbH
Auf der Seitenwand Deiner Reifen gibt der Hersteller den minimalen und maximalen Luftdruck an. Zur Sicherheit solltest Du diese Werte nicht unter- bzw. überschreiten. Beim Minimum standen früher oft Werte, die aus heutiger Sicht recht hoch wirken: Seit dem Einzug von Tubeless fahren viele Mountainbiker:innen oft und gerne niedrigen Luftdruck. Glücklicherweise haben die meisten Hersteller mittlerweile darauf reagiert und ihre aktuellen Reifen für die heute übliche Werte freigegeben.
Wie viel Bar sind 25 psi?
25 psi sind rund 1,72 Bar. Falls Du selbst umrechnen möchtest: Ein Bar entspricht 14,504 psi. Da die meisten Manometer beide Einheiten anzeigen, ist das aber selten nötig.
Kann ich mit einem Tubeless-Reifen weniger Druck fahren?
Ja, da das Durchschlagsrisiko eines Tubeless-Systems geringer ist, kannst Du etwas weniger Luftdruck fahren als mit Schlauch.
Welchen Reifendruck bei Schlamm und Nässe?
Bei Schlamm, Nässe und auch Schnee kannst Du mehr Grip und damit Sicherheit aus Deinen Reifen herausholen, indem Du den Luftdruck etwas senkst.
Sollte der Vorderreifen mehr oder weniger Druck haben als der Hinterreifen?
Es ist sinnvoll, beim MTB im Vorderreifen einen geringeren Luftdruck zu fahren als am Hinterrad, da vorne weniger Gewicht aufliegt.
Welchen Luftdruck für ein E-MTB?
Da ein E-Mountainbike schwerer ist als ein unmotorisiertes MTB, solltest Du einen etwas höheren Luftdruck fahren, um den gleichen Durchschlagschutz zu haben.
Wie oft sollte ich den Luftdruck bei meinen MTB-Reifen prüfen?
Wir empfehlen, den Luftdruck vor jeder Ausfahrt zu prüfen. Auch wenn Dein Tubeless-Reifen oder Dein Schlauch den Druck normalerweise mehrere Tage stabil hält, merkst Du so auch rechtzeitig, wenn etwas nicht stimmt – z. B. einen schleichenden Platten. Grundsätzlich diffundiert immer ein wenig Luft durch Schlauch und Reifenwand. Damit sinkt auch Dein Luftdruck mit der Zeit.
Kann ich den Reifendruck während einer Tour anpassen?
Ja, Du kannst den Luftdruck jederzeit anpassen, wenn Du das Gefühl hast, dass er zu hoch oder zu niedrig ist. Weiter oben findest Du unsere Tipps dazu.