Vor dem Schmieren sollte alles so weit vorbereitet sein, dass Du Dir danach direkt die Hände waschen kannst.

How To Creme: Tipps und Empfehlungen zum Thema Gesäßcreme

Jonas 07. March 2017

Man munkelt im Radsport herrscht eine Omerta des Schweigens. Aber mit dieser Einstellung wollen wir brechen und es geht hier nicht um Doping, sondern um Gesäßcreme.

Man munkelt, im Radsport herrscht eine Omerta des Schweigens. Aber mit dieser Einstellung wollen wir brechen und es geht hier nicht um Doping, sondern um Gesäßcreme. Dabei war Gesäßcreme ursprünglich gar nicht für die Radfahrer, sondern für die Radhosen gedacht. Damals hatten die Hosen anstatt einem Polster eine Ledereinlage. Damit diese geschmeidig bleibt, musste sie, wie ein Brooks Sattel, regelmäßig eingefettet werden. Heutzutage können die Sitzcremes einiges mehr als nur fetten. Nach den Tipps zum Einschmieren des Sitzpolsters teilen noch 4 Kollegen ihre Erfahrungen mit verschiedenen Sitzcremes mit Dir.

Richtiges Sitzen

Ob Radsport nach mehreren Stunden im Sattel noch Spaß macht und vor allem, ob man am nächsten Tag wieder aufsteigt, hängt zu großen Teilen vom Sitzkomfort ab. Ob man gut und bequem sitzt, hängt von zahlreichen Faktoren ab und ist ein Zusammenspiel aus Sitzhöhe, Sattelform, Hose, Polster und noch mindestens 50 weiteren subjektiven Eindrücken. Manch ein Radsportler sucht deshalb vergeblich während seiner gesamten Karriere nach der perfekten Sitzposition.

Durch die Videoaufnahme erfährt man zu jeder Pedalstellung gleich sämtliche Winkelangaben zu den einzelnen Körpergelenken.

Durch die Videoaufnahme erfährt man zu jeder Pedalstellung gleich sämtliche Winkelangaben zu den einzelnen Körpergelenken.

Richtiges Polster

Auch die Polsterhose muss richtig passen und darf nirgendwo drücken oder scheuern. Bei Polsterhosen solltest Du generell darauf achten, dass die Nähte möglichst flach sind und dass das Polster aus einem Stück besteht. So kann an prekären Stellen keine Naht drücken.

Flache Zickzack Nähte sind schon mal ein guter Qualitätsindikator.

Flache Zickzack Nähte sind schon mal ein guter Qualitätsindikator.

Was bringt eine Sitzcreme?

Das Prinzip der Chamois Creme/Sitzcreme ist simpel und fast mit der „Schmierung“ in einem Verbrennungsmotor zu vergleichen. Ohne Öl kommt es zum Kolbenfresser wie auf dem Sattel ohne Chamois.

Natürlich ist Gesäßcreme nichts für den täglichen Gebrauch. Als Commuter wird man sich wohl kaum jeden Morgen und Feierabend das Polster einreiben. Für lange Touren am Wochenende oder im Trainingscamp, wo man jeden Tag im Sattel sitzt, ist Sitzcreme aber durchaus sinnvoll.

Alle Sitzcremes reduzieren die Reibung und schützen die Haut vor Entzündungen. Manche Sitzcremes gehen noch weiter und sind antibakteriell und/oder kühlen die Haut noch zusätzlich. Achte hier bei der Auswahl einfach auf die entsprechenden Artikelbeschreibungen.

Vorbereitung

Um Entzündungen der Haut vorzubeugen, ist es ratsam möglichst alle Bakterienherde vor dem Schmieren zu beseitigen. Das heißt, am besten immer mit einer gewaschenen Bibtights fahren.

Tipps zum Schmieren des Sitzpolsters

  • Bereite Dir alles so weit vor, dass Du nach dem Cremen Deines Polsters direkt zu einem Waschbecken kommst, um Dir die Hände zu waschen. Musst Du mit Deinen "chammy hands" nachher noch an eine Türklinke packen oder andere Sachen kramen, ist das ein ziemliche Sauerei.
  • Nimm direkt so viel aus dem Cremetopf, dass Du auf jeden Fall genug hast, um Dein Polster einzuschmieren, ca. 3 Fingerspitzen. Zwei goldene Regeln, um Bakterien im Cremetopf zu vermeiden sind: 1.) Nur gewaschene Finger in den Cremetopf tunken. 2.) "Don't double dip". Das Befolgen dieser Regeln werden Dir auch Deine Freunde danken, wenn sie, im Notfall, mal Deine Chamois Creme nutzen wollen.
Vor dem Schmieren sollte alles so weit vorbereitet sein, dass Du Dir danach direkt die Hände waschen kannst.

Vor dem Schmieren sollte alles so weit vorbereitet sein, dass Du Dir danach direkt die Hände waschen kannst.

  • Damit Du die Gesäßcreme besser verteilen kannst, musst Du sie anwärmen. Dies machst Du, indem Du die Creme mit wenig Druck zwischen Deinen Fingern verreibst.
Zum einfacheren Auftragen die Gesäßcreme vor dem Auftragen durch Reibung erwärmen.

Zum einfacheren Auftragen die Gesäßcreme vor dem Auftragen durch Reibung erwärmen.

  • Am besten beginnst Du mit den Nähten des Sitzpolsters, diese müssen rundherum eingeschmiert werden. Da an den Nähten die meiste Reibung entsteht, ist hier besondere Sorgfalt gefragt.
Die Nähte sollten rund um das Polster sorgfältig eingerieben werden.

Die Nähte sollten rund um das Polster sorgfältig eingerieben werden.

  • Den Rest kannst Du einfach auf dem Polster verteilen.
Den Rest der Creme einfach auf dem Polster verteilen.

Den Rest der Creme einfach auf dem Polster verteilen.

Mal für Dich ausprobiert

David über die Muc-Off Luxury Chamois

David

David

Insgesamt bin ich die Muc-Off Luxury Chamois Cream schon 1350 Kilometer gefahren, natürlich alles bei Strava dokumentiert. Ich nutzte Sitzcreme eigentlich immer bei Touren von mehr

als 50 km oder Fahrten ab 2 Stunden. Da ich das Gefühl des eingeschmierten Polsters beim Einsteigen in die Bibtights nicht sonderlich mag, schmiere ich bei dieser lediglich die Nähte ordentlich ein. Den Hauptteil trage ich auf die Haut auf. Die 2 Regeln beim Cremen für mich lauten:

1.      Besser zu viel als zu wenig

2.      No double-dipping

Mit diesen Regeln und der Luxury Chamois von Muc-Off bin ich bis jetzt stets mit einem angenehmen Hautgefühl ohne Irritationen von meinen Touren zurückgekommen. Im Übrigen lässt sich die Creme nach der Ausfahrt sehr leicht von Haut als auch Sitzpolster abwaschen.

Stefan über den squirt Barrier Balm

Stefan

Stefan von bike-components

Ich nutzte Gesäßcreme immer auf längeren Touren oder für Trainings oder Wettkämpfe, die über mehrere Tage gehen. Hauptsächlich schmiere ich

das Polster ein, an stark belasteten Stellen schmiere ich zusätzlich auch die Haut ein. Normalerweise verbrauche ich für eine Schmierung ca. 3 Fingerspitzen voll Gesäßcreme. Die squirt Creme fettet allerdings nur und ist dadurch im Winter angenehmer als Cremes mit zusätzlich kühlender Wirkung. Da es sich beim squirt Barrier Balm teils um Vaseline handelt, bekommt man sie schlechter abgewaschen als z. B. die ASSOS Creme.

Patrick über die ASSOS Chamois Creme

Patrick

Patrick

Ich fahre die Assos Chamois bereits seit Jahren und vielen tausend Kilometern. Ich schmiere meistens nur das Polster ein und

brauche dafür eine Menge, die etwa zwei Haselnüssen entspricht. Eine Stärke der ASSOS Creme ist der leicht kühlende Effekt. Nach der Tour ist die Haut meistens kaum gereizt. Druckstellen kann natürlich die beste Sitzcreme nicht verhindern. Um die Creme nach der Tour wieder runterzubekommen, hilft nur eine Dusche. Im Gegensatz zu Gesäßcremes auf Vaseline-Basis lässt sich die ASSOS Creme vergleichsweise gut abwaschen.

Ein Tipp von mir: Seife beim Auftragen griffbereit halten, um die Hände vor der Tour noch entsprechend fettfrei zu bekommen. So ist ein sicherer Griff am Lenker garantiert.

Jonas über Eules Gesäßcreme

Jonas

Jonas

Mein Favorit kommt dabei von einer einzigen Schauspielgrößen im Radsportzirkus! Dieter „Eule“ Ruthenberg! Bekannt geworden

durch eine oscarreife Meisterleistung im Klassiker von 2003 Höllentour mit Zitaten wie „nur een 42er Schnitt… weeste wie schlecht dit is“ (von Erik Zabel) oder „Soo Ete, ick wünsch dir ne joote Sitzfläsche“ (Eule selbst, als er Zabel die präparierte Rennhose aufs Bett legt)

Ich nutze die Creme jetzt schon seit mehreren Saisons bei allen Ausfahrten über einer Stunde im Sattel und hatte in der Zeit keine „Kolbenfresser“ mehr. Selbst 5 Std auf Mallorca bei Wind und Regen oder Furka, Grimsel und Sustenpass bei brütender Hitze, habe ich mit und dank Eule´s schadlos überstanden.

Blogkommentare werden mit Vornamen und erstem Buchstaben des Nachnamens veröffentlicht.
Blogkommentare werden mit Vornamen und erstem Buchstaben des Nachnamens veröffentlicht.