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Der richtige Sattel für jeden Biker: Rennrad, MTB, Allround, E-Bike

Wie Du Dich setzt, so fährst Du. Den richtigen Sattel für Dein Fahrrad zu finden, muss keine Odyssee werden. Wir geben Dir Tipps, worauf Du achten solltest

Neben Griffen bzw. Lenkerband und den Pedalen ist der Sattel einer von drei Kontaktpunkten zwischen Mensch und Fahrrad. Geht etwas schief in der innigen Beziehung zwischen Radfahrer:in und Rad – z. B. Rücken- oder Sitzschmerzen – gilt der erste Blick, meist zu Recht, dem Sattel. Die gute Nachricht: Es gibt für jedes Hinterteil den richtigen Sattel!
Fakt ist: Kaum eine andere Tuning-Maßnahme vergrößert das Fahrvergnügen so stark und für so wenig Geld wie der persönliche Sattel. Speziell, wenn Du Dir ein neues Fahrrad zugelegt hast, und der Funke noch nicht recht überspringen möchte, bedenke: Ab Werk sind die Hersteller von Kompletträdern gezwungen, bei der Sattelwahl einen Kompromiss zu finden, der für möglichst viele Menschen funktioniert. Egal ob Frau oder Mann, klein oder groß, leicht oder schwer, mit schmaler oder breiter Hüfte... Den einen Sattel, der für alle Menschen gleich gut ist, gibt es jedoch nicht. Was Du auf dem Weg zum persönlichen Sattel beachten solltest, zeigen wir Dir in wenigen einfachen Schritten.

Der Sattel spielt auf dem Mountainbike nicht nur für das Sitzen eine zentrale Rolle.

Der Sattel spielt auf dem Mountainbike nicht nur für das Sitzen eine zentrale Rolle.

Rennradsättel sind häufig eher minimalistisch in der Polsterung und extrem leicht.

Rennradsättel sind häufig eher minimalistisch in der Polsterung und extrem leicht.

Auf dem Trekking- und Pendelrad spielt der Sitzkomfort des Sattels eine recht große Rolle.

Auf dem Trekking- und Pendelrad spielt der Sitzkomfort des Sattels eine recht große Rolle.

Der richtige Sattel für Dich: Mountainbike, Rennrad oder E-Bike?

Auch wenn es auf dem Sattelmarkt seit Jahren oder sogar Jahrzehnten bewährte Allrounder gibt, schwören viele Radfahrer:innen auf spezielle Sattel-Modelle, die für ihren jeweiligen Einsatzbereich optimiert sind. Die Grenzen verlaufen nicht starr und hängen insbesondere von der Sitzposition ab. So kannst Du auf Deinem Alltagsrad oder XC-Mountainbike durchaus mit einem Rennradsattel glücklich werden und auf dem Gravelbike oder Cyclocrossrad mit einem MTB-Sattel. Umgekehrt sind die Unterschiede zwischen den Einzeldisziplinen – etwa Marathon-MTB vs. Downhill oder Straßenradsport vs. Triathlon – so groß, dass sich auch hier viele Spezialisten herausgebildet haben. 

Mehr über die speziellen Spielarten dieser Sattelgattungen erfährst Du deshalb in unseren Sattelberatungen speziell für MTBRennrad und Komfort.

Der richtige Sattel für Deine Sitzposition: Aufrecht oder gestreckt?

Deine Sitzposition ist einer der fundamentalen Parameter auf der Suche nach dem richtigen Sattel. Als Faustregel gilt: Je sportlicher und gestreckter Du auf Deinem Rad sitzt, desto mehr Stützarbeit übernehmen Deine Hände und Arme. Die Folge: Dein Sattel kann schmaler und härter sein. Je aufrechter Du umgekehrt unterwegs bist, desto mehr musst Du auf die richtige Polsterung und eine größere Sattelbreite achten, da nun der Druck auf Sitzknochen und Dammbereich höher ist. Für die Wahl der Sattelbreite spielt natürlich auch Deine Anatomie eine Rolle. Ergonomiespezialisten wie Ergon oder SQlab bieten deshalb spezielle Tools an, um die Breite Deines Beckens, Deiner Hüfte oder Deines Sitzknochenabstandes zu messen wie etwa die minimalistische, aber effektive SQlab-Messpappe, die mit einem Preis von 25 Cent wahrscheinlich der günstigste Artikel in unserem gesamten Shop ist. Übrigens: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Sitzknochenabstand und Gewicht. Wer aus purer Eitelkeit einen besonders schmalen Sattel kauft, macht meist einen Fehler.

Mit der SQlab Messpappe kannst Du Deinen Sitzknochenabstand ganz simpel ermitteln:

Mit der SQlab Messpappe kannst Du Deinen Sitzknochenabstand ganz simpel ermitteln:

Lege die Messpappe auf einen festen, gerade Untergrund, am besten auf einen Holzstuhl ohne Sitzwölbung.

Lege die Messpappe auf einen festen, gerade Untergrund, am besten auf einen Holzstuhl ohne Sitzwölbung.

Setz Dich auf die Messpappe.

Setz Dich auf die Messpappe.

Stell Deine Füße auf die Zehenspitzen und drücke Dich mit dem Po fest auf die Sitzfläche. Es kann helfen, wenn Du Dich mit den Händen unter der Sitzfläche festhältst und Dich nach unten ziehst.

Stell Deine Füße auf die Zehenspitzen und drücke Dich mit dem Po fest auf die Sitzfläche. Es kann helfen, wenn Du Dich mit den Händen unter der Sitzfläche festhältst und Dich nach unten ziehst.

Markiere mit einem Stift die Abdrücke Deiner Sitzknochen auf der Pappe und mach an beiden Abdrücken ein Kreuz etwa in der Mitte der Abdrücke.

Markiere mit einem Stift die Abdrücke Deiner Sitzknochen auf der Pappe und mach an beiden Abdrücken ein Kreuz etwa in der Mitte der Abdrücke.

Miss mithilfe des beiliegenden Lineals den Abstand zwischen beiden Kreuzen aus. Das ist Dein Sitzknochenabstand.

Miss mithilfe des beiliegenden Lineals den Abstand zwischen beiden Kreuzen aus. Das ist Dein Sitzknochenabstand.

Dieser Abstand hilft Dir bei der Wahl der richtigen Sattelbreite für Dich. Je nach Sitzposition solltest Du zur Sitzknochenbreite noch 1-4 cm zugeben (siehe beigelegte Schablone).

Dieser Abstand hilft Dir bei der Wahl der richtigen Sattelbreite für Dich. Je nach Sitzposition solltest Du zur Sitzknochenbreite noch 1-4 cm zugeben (siehe beigelegte Schablone).

Der richtige Sattel für Deine Sitzhöcker: Polster oder kein Polster?

Wieviel Polsterung Du an Deinem Sattel willst, hängt von vielen Faktoren ab. Sitzposition, Sportart und auch, ob Du ein Polster an Deiner Fahrradhose hast. Wer Sitzpolsterhosen – ob mit oder ohne Träger – beim Radfahren nutzt, braucht weniger Material am Sattel. Das spart zunächst Gewicht und sorgt zudem für eine sehr ebene und gleichmäßige Sitzfläche. Als Faustregel gilt auch hier: Je breiter der Sattel, je aufrechter die Sitzposition und je weniger Druck auf dem Pedal, desto mehr Polsterung benötigst Du.

Unterschiedliche Sättel für Frauen und Männer?

Eine der am heißesten diskutierten Fragen rund um das richtige Sitzen: Braucht es spezielle Männer- oder Frauensättel? Und worin unterscheiden sich diese? Unterschiedliche Hersteller geben unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Anbieter wie Specialized, Selle Italia oder Brooks bieten geschlechtsunabhängig Sättel mit oder ohne Aussparung in verschiedenen Breiten oder Härten an. Der Koblenzer Hersteller Ergon geht einen anderen Weg und teilt seine Sattelmodelle grundsätzlich in Frauen- bzw. Männer-spezifische Varianten, die es ebenfalls in verschiedenen Breiten gibt. Die Modelle unterscheiden sich teilweise deutlich in Aufbau, Polsterung oder Position der Aussparung. Anders bei SQlab: Die Münchener bieten ihre Sättel grundsätzlich als Unisex-Varianten mit verschiedenen Breiten und Grundkonstruktionen an. Festhalten kann man aber: Die früher gern behauptete Gleichung Frau gleich weicher Sattel, viel Polsterung und Aussparung ist falsch.

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Die Rails: Carbon, Titan, Stahl, Aluminium? Rund oder Oval?

Eine weitere spannende Materialfrage stellt sich beim Sattel bezüglich des Gestells, auch „Rails“ genannt. Bei Grammfuchsern ist Carbon beliebt, denn damit kann man ordentlich Gewicht sparen. Um die 100 Gramm können im Vergleich zu einem Schwestermodell mit Metallrails durchaus drin sein, manchmal sogar mehr. Gegen Carbon spricht eigentlich nichts, außer sein im Vergleich zu den anderen Materialien höherer Preis. Wer eher Downhill unterwegs ist, meidet mitunter Carbonsättel, um im nicht selten vorkommenden Sturzfall eine Splittergefahr auszuschließen. Fast so leicht wie Carbon ist Titan, das von vielen Herstellern als Strebenmaterial sportlicher Sättel verwendet wird. Manchmal kommt es auch, wie etwa bei SDG, als Titan-Aluminium-Legierung. Andere Alulegierungen werden für leichte Sättel ebenfalls gern verwendet, etwa vom italienischen Hersteller Fizik. Stahl schließlich ist das am weitesten verbreitete Rail-Material. Es ist robust, preisgünstig und muss nicht einmal schwer sein. Sattel-Rails gibt es übrigens in runder und, im Rennrad-Bereich, auch in ovaler Form. Solche ovalen Rails brauchen eine entsprechende Sattelstütze und umgekehrt. Die unterschiedlichen Railformen sind nicht miteinander kompatibel. Gute Nachrichten bei den runden Rails: Sie alle folgen dem Standardmaß von 7 x 7 Millimeter und passen folglich in alle handelsüblichen Sattelstützen, die für runde Rails ausgelegt sind.

Über die Rails wird der Sattel an der Sattelstütze befestigt.

Über die Rails wird der Sattel an der Sattelstütze befestigt. © bc GmbH & Co. KG

Sonderfall Spiralfeder: Brooks und Co.

Wer kennt sie nicht, die Kernledersättel mit einer Spiralfederung zwischen Sattelschale und Gestell. Vor allem Brooks machte diese Konstruktion weltberühmt. Sättel wie der Brooks Flyer erfreuen sich bei Langstreckenfahrern, Komfort-Sitzern oder Menschen, die besonders langlebige Produkte schätzen, höchster Beliebtheit. Auch der deutsche Zubehörhersteller Contec hat solche Sättel im Programm. Allen gemein ist, dass Du sie einfahren und von Zeit zu Zeit die Federn spannen bzw. das Leder pflegen musst. Dafür wirst Du mit traumhaftem Sitzkomfort belohnt. Für Mountainbike oder Rennrad vielleicht zu wuchtig, aber für Randonneure, Reiseräder, Tourenbikes oder Menschen, die sich gern etwas mehr Komfort auf dem Fahrrad gönnen, eine tolle Wahl.

Ein Sattel extra fürs E-Bike?

Noch ein E-Bike-spezifisches Produkt? Muss das sein oder ist das Marketing-Blödsinn? Die Antwort ist einfach: Richtig umgesetzt, sind spezielle E-Bike Sättel eine sinnvolle Anschaffung für Dein E-Bike. Sie sind besonders gepolstert, denn auf dem E-Bike drückst Du Dich zumeist mit weniger Kraft aus den Pedalen heraus als auf dem Bio-Bike. So lastet mehr Gewicht auf den Sitzknochen. Außerdem sind E-Bike-Sättel für den vollen Uphill-Flow hinten oft höher gezogen. Kann Du auch ohne E-Bike-Sattel E-Bike fahren? Natürlich! Kann ein guter E-Bike-Sattel das elektrische Fahrvergnügen weiter steigern? Unbedingt!

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