Der perfekte Reifendruck für Dein Mountainbike
Mit dem richtigen Luftdruck hast Du auf dem MTB mehr Spaß, Grip und Kontrolle. Wir erklären, wie Du das Optimum findest.
Mit Reifentuning zu mehr Geschwindigkeit, Komfort oder Grip? Erfahre hier, wie Du Deinen perfekten Gravelbike-Reifen findest.
Gravelbiken ist vielfältig: Von straßenlastigen Routen mit kleinen Schotterabstechern (auch „Allroad“ genannt) bis hin zu Trail-Abenteuern – Gravelbiken bewegt sich irgendwo zwischen Rennradfahren und Mountainbiken. So breit gefächert wie das Einsatzgebiet sind daher auch die Anforderungen an die Ausrüstung. DEN perfekten Gravelbike-Reifen gibt es nicht, DEINE(N) perfekten Gravelbike-Reifen schon. Wie Du Dich im riesigen Gravelbike-Reifen-Schlaraffenland zurechtfindest, erfährst Du hier.
Reifengrößen-Bezeichnungen können verwirren. Je nach Hersteller und Einsatzbereich findest Du verschiedene Angaben und Einheiten zu Durchmesser und Breite eines Reifens. Diese drei Systeme werden unterschieden:
Die ETRTO-Größe ist am genauesten und international verbreitet. Sie gibt den Reifeninnendurchmesser (also den Felgenaußendurchmesser) und die Reifenbreite an der breitesten Stelle in Millimetern an. Bei Zoll-Angaben werden der ungefähre Außendurchmesser des Reifens und seine Breite in Zoll angegeben. Dieses System findest Du oft bei Mountainbike- und breiteren Gravelbike-Reifen. Die französische Bezeichnung nennt hingegen den ungefähren Außendurchmesser und die Breite – ebenfalls in Millimetern.
Vergleich der gängigen Durchmesser:
| ETRTO | Zoll | Französisch |
| 559 | 26 | - |
| 584 | 27,5 | 650b |
| 622 | 28/29 | 700c |
Vergleich der Breitenangaben an einem Beispiel:
| ETRTO | Zoll | Französisch |
| 40-622 | 28 x 1,5" | 700 x 38c |
Merke: Bei der ETRTO-Größenangabe findest Du die Reifenbreite vor dem Reifen(innen)durchmesser. Bei der französischen und der Zoll-Bezeichnung steht sie nach dem Reifen(außen)durchmesser.
Am Gravelbike findest Du, wie beim Rennrad, meist 28-Zoll-Laufräder (700c / 622 mm). Manchmal kommen auch 27,5-Zoll-Laufräder (650b / 584 mm) zum Einsatz. Während 28 Zoll eher auf Geschwindigkeit und gutes Rollverhalten ausgelegt sind, hast Du mit 27,5 Zoll mehr Platz für breite Reifen und damit extra Grip und Komfort im Gelände. Die kleineren 650b-Laufräder werden zudem oft in kleineren Rahmengrößen verbaut. Aber unabhängig davon, was die Vor- oder Nachteile der jeweiligen Laufradgröße sind: Der Durchmesser Deines neuen Reifens muss zu Deiner Laufradgröße passen.
Und nicht vergessen: Die Zollangabe beschreibt den ungefähren Außendurchmesser! 29-Zoll-Reifen aus dem MTB-Segment besitzen denselben Innendurchmesser von 622 Millimetern wie sogenannte 28-Zoll-Rennradreifen. Wenn Du besonders zorniges Profil auch am Gravelbike fahren möchtest und die Breite passt, schau unbedingt auch dort! Die ETRTO-Größe gibt Dir immer Gewissheit.
Wenn Du nicht gerade in UCI-Gravelbike-Rennen an der Startlinie stehst, geht der Trend im Gravelbike-Segment geht klar zu breiteren Reifen. Sie bieten in aller Regel mehr Komfort, Grip und Pannenschutz, ohne Dich langsamer zu machen – es sei denn, Aerodynamik spielt für Dich eine besondere Rolle (die Sache mit den UCI-Rennen).
Solange sie durch Gabel und Rahmen passt, bist Du bei der Reifenbreite flexibel. Praktisch solltest Du Dich am Spec des Fahrradherstellers orientieren: Reifenbreite und -volumen beeinflussen das Fahrverhalten stark. Daher sind Reifenfreiheit und Rahmengeometrie auf ein bestimmtes Einsatzgebiet abgestimmt.
Grundsätzlich gilt bei der Wahl der Reifenbreite:
Wichtig: Du brauchst vier bis fünf Millimeter Platz zu beiden Seiten des Reifens, damit Schlamm, Steinchen im Profil oder eine leichte Acht nicht zerstörerisch an Rahmen oder Gabel schleifen. Außerdem beeinflusst die Maulweite Deiner Felge die tatsächliche Reifenbreite. Derselbe Reifen kann je nach Felge einige Millimeter schmaler oder breiter ausfallen. Die meisten Hersteller geben die tatsächliche Reifengröße in Abhängigkeit der Felgenbreite auf ihrer Website an.
Unter dem Reifenprofil versteht man die Ausformung der Reifenoberfläche, also Rillen, Lamellen und Stollen. Das Profil entscheidet sehr darüber, wie sich Dein Reifen auf verschiedenen Untergründen verhält und wie er mit Nässe, Schlamm oder Schnee umgehen kann.
Im Gravelbike-Bereich findest Du vor allem folgende Profile:
Der durchgehende Mittelstreifen mit reduziertem Profil sorgt für geringen Rollwiderstand auf Asphalt und Schotter – die Seitenstollen geben dir Halt, wenn es kurvig oder locker wird. © bc GmbH
Info: Je nach Haupt-Einsatzzweck kannst Du vorn und hinten nicht nur unterschiedliche Reifenmodelle mit unterschiedlichen Profilen fahren, sondern sogar verschiedene Reifenbreiten. Zum Beispiel einen breiteren Vorderreifen für mehr Komfort, Kurvengrip und Bremstraktion oder einen schmaleren Vorderreifen für bessere Aerodynamik. Oder mehr Profil vorn als hinten. Oder Schwalbe vorn und Maxxis hinten. Reifenwahl ist keine monogame Dauerbeziehung. Und vergiss nicht: Kein Tuning ist so effektiv wie Reifentuning!
Die Gummimischung, auch Compound genannt, hat einen Einfluss auf den Grip, Rollverhalten und die Langlebigkeit Deines Reifens. Manche Hersteller geben die Härte ihrer Gummimischungen an. Dabei gilt: Ein geringerer Wert steht für weicheres, griffigeres Gummi, ein höherer Wert für härteres, langlebigeres Gummi.
Kommst Du vom Mountainbiken, kennst Du vermutlich Reifen mit Dual- oder Triple-Compounds, also zwei oder drei verschieden harten Gummimischungen in einem Reifen. Bei Gravelbike-Reifen ist das etwas seltener, aber einige Hersteller, wie zum Beispiel Maxxis oder WTB, setzen auch hier auf Mehrfach-Compounds. Typisch dabei: Die Lauffläche ist etwas härter, damit der Reifen besser rollt und weniger schnell verschleißt, während die Seitenstollen etwas weicher sind, um in Kurven für zusätzlichen Grip zu sorgen.
Hier entsteht die Basis für Performance: Im Reifenwerk werden unterschiedliche Gummimischungen präzise verarbeitet – entscheidend für Grip, Haltbarkeit und Rollverhalten. © bc GmbH
Die Karkasse bildet das Grundgerüst Deines Reifens und beeinflusst Gewicht, Pannenschutz und Fahrgefühl. Charakterisierend für die Karkasse ist ihre Fadendichte, sie wird in TPI (Threads per Inch) angegeben. Höhere TPI machen den Reifen geschmeidiger und schneller, aber meist etwas empfindlicher. Niedrigere TPI sind robuster, dafür weniger flexibel. Für zusätzlichen Schutz setzen viele Hersteller auf verstärkte Seitenwände oder Pannenschutzeinlagen unter der Lauffläche oder der Reifenflanke. Sie geben dem Reifen eine zusätzliche Barriere gegen Schnitte, Durchstiche oder scharfkantigen Schotter. Wenn Du häufig im Gelände unterwegs bist oder mit schwerem Gepäck fährst, solltest Du auf einen guten Pannenschutz achten.
Beim Gravelbike sind Pannensicherheit, geringer Rollwiderstand und Grip entscheidende Voraussetzungen für maximalen Fahrspaß. Das erreichst Du entweder schlauchlos (Tubeless) oder mit einem TPU- beziehungsweise TPE-Schlauch. Klassische Butyl-Schläuche sind im sportlichen Segment nicht mehr up-to-date.
Tubeless bietet viele Vorteile wie gute Pannensicherheit, verbesserten Rollwiderstand und die Möglichkeit, mit weniger Luftdruck zu fahren (= mehr Komfort und Grip). Die Erstmontage ist allerdings etwas aufwendiger: Tubeless-Ventile einsetzen, Dichtmilch einfüllen und darauf achten, dass alles dicht ist. Dazu benötigst Du Tubeless-geeignete Laufräder (dichtes Felgenband) und Reifen, sowie eine geeignete Standpumpe (oder einen Kompressor). Später solltest Du regelmäßig prüfen, ob noch ausreichend Milch im Reifen hast und sie nicht ausgetrocknet ist.
Du möchtest deine Reifen auf Tubeless umrüsten? In unserem Blogbeitrag Bist Du dicht? - Umrüsten auf Tubeless, zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie es geht.
Schläuche aus thermoplastischen Kunststoffen wie TPU (thermoplastisches Polyurethan) oder TPE (thermoplastische Elastomere) bieten einen zuverlässigen Pannenschutz, das System ist etwas leichter und der Rollwiderstand nahezu auf Tubeless-Niveau. Sie sind ideal, wenn Du auf einfache Montage setzt oder keine Lust (oder Möglichkeit) hast, Tubeless-Milch aufzufüllen. Auch wenn Du öfter Reifen wechselst, ist ein TPE- oder TPU-Schlauch die bessere Option, denn Du ersparst Dir die Dichtmilch-Sauerei. Fährst Du gerne für maximalen Komfort und Grip mit niedrigem Luftdruck, solltest Du jedoch aus Gründen der Pannensicherheit Tubeless fahren.
Und apropos: Damit Du mit dem richtigen Luftdruck unterwegs bist, schau in unseren Guide zum perfekten Reifendruck beim Gravelbike!
Bist Du auf der Suche nach einem richtig dicken Reifen für maximalen Komfort, Grip und Sicherheit? Dann solltest Du einen 29-Zoll-Gravelbike-Reifen in Betracht ziehen. Für technisch anspruchsvolle Touren oder Bikepacking in rauem Gelände kann das Plus an Breite und Volumen das Fahren deutlich angenehmer machen. Gerade Mountainbike-Cross-Country-Reifen können eine Option sein. Achte unbedingt auf die Kompatibilität zu Rahmen, Gabel und Laufrädern!
Suchst Du Reifen für Dein Allroad-Bike, die auch etwas Schotter vertragen? Rennräder, die für den Allroad-Einsatz gemacht sind, lassen oft eine Reifenbreite von bis zu 35 Millimetern zu. Am besten bist Du mit einem gut rollenden Semi-Slick-Reifen bedient: Er macht Dich auf der Straße kaum langsamer, bietet aber mehr Reserven auf festen, glatten Schotterwegen. Vergiss nicht, neben der Reifenfreiheit von Rahmen und Gabel ebenfalls zu prüfen, welche Reifenbreite Deine Felgen zulassen!
Wenn Deine Touren sehr unterschiedlich sind oder Du ein Bike für alles nutzen möchtest, kann es sinnvoll sein, zwei verschiedene Laufradsätze mit den jeweils passenden Reifen zu haben. Zum Beispiel einen Laufradsatz für Asphalttouren und einen für Schottertouren. Aber auch für unterschiedliche Deine Offroad-Einsätze lohnt sich diese Lösung: Ein Laufradsatz mit schnellen Reifen für glatten Schotter und einen mit griffigen Stollenreifen für anspruchsvolles Gelände.
Achte darauf, dass Bremsscheiben, Kassette und gegebenenfalls die Naben identisch sind, so musst Du nur die Laufräder wechseln und kann kannst sofort losfahren.
Es kommt darauf an: 700c ist in der Regel schneller und rollt besser, während 650b breitere Reifen erlaubt und daher mehr Komfort und Grip bietet. Auch bei sehr kleinen Rahmengrößen findest Du aus Platzgründen öfter 650b. Welche Laufrad- bzw. Reifengröße besser ist, hängt also davon ab, wo und wie Du fährst. Am selben Rad zwischen unterschiedlichen Laufradgrößen zu wechseln, kann augenöffnende Unterschiede bieten. Achte aber darauf, dass mit kleineren Laufrädern auch Dein Innenlager absinkt und Du möglicherweise weniger Bodenfreiheit beim Pedalieren hast!
Dein Fahrradrahmen und die -gabel geben Dir die maximale Reifenbreite vor. An der breitesten Stelle Deines Reifens sollten vier bis fünf Millimeter Platz zu Sitz- oder Kettenstreben und der Gabel sein. Behalte auch den Spec Deines Bikes im Hinterkopf, denn die Reifenbreite beeinflusst das Fahrverhalten enorm – meist haben sich die Entwickler:innen bei der Ausstattung des Bikes etwas gedacht. Ansonsten sind Deiner Individualität wenig Grenzen gesetzt.
Hier gilt wieder: Es kommt darauf an. Ist Deine Hausrunde auf Asphalt und festen glatten Feld- und Waldwegen, kannst Du mit einem Semi-Slick-Reifen glücklich werden. Je mehr Schotter auf Deiner Runde zu finden ist, desto besser bist Du mit einem Allround-Reifen bedient. Je technischer und/oder schlammiger, desto eher solltest Du zu einem Stollenprofil greifen. Wenn Du Dein Gravelbike überwiegend als Schlechtwegerennrad nutzt, greif zu Semi-Slicks!
Fährst Du gerne mit niedrigem Luftdruck und möchtest Deinen Reifen fahren, bis er verschlissen ist, dann gibt es von uns ein klares „Ja“. Wechselst Du gerne zwischen verschiedenen Reifen hin und her oder fährst überwiegend auf Asphalt oder glatten Wegen, kannst Du auch mit einem TPU/TPE-Schlauch glücklich werden.