Christoph, Georg und Rainer von bc unterwegs auf Mountainbikes. Das Gelände ist steinig.
Christoph, Georg und Rainer von bc unterwegs auf Mountainbikes. Das Gelände ist steinig.

Rebound & Compression: Was ist was bei der MTB-Federung?

Damit Du das Potenzial Deiner Mountainbike-Federung voll ausschöpfen kannst, solltest Du ihre Einstelloptionen und Funktionen kennen. Wir erklären alle!

Moderne Federelemente für Mountainbikes bieten Dir mit ihren zahlreichen externen Einstelloptionen die Möglichkeit, Dein Fahrwerk punktgenau auf persönliche Vorlieben, Deinen Fahrstil, die Strecke oder das Wetter abzustimmen. Der erste Schritt zum richtigen Setup ist, die verschiedenen Optionen zu kennen und zu verstehen, welche Auswirkungen sie bringen. Nicht jede Federgabel oder jeder Dämpfer (auch „Federbein“ genannt) bietet alle Einstelloptionen an. Check am besten zunächst, was auf Dein Fahrwerk zutrifft, bevor Du Dich ans Setup Deines MTBs machst!

Isa aus dem bc Service fährt auf einem Focus Fully über sandigen Boden.
Isa aus dem bc Service fährt auf einem Focus Fully über sandigen Boden.

Was gibt es Besseres, als mit einem perfekt eingestellten MTB-Fahrwerk über anspruchsvolles Gelände zu biken?

Abgebildet ist ein Dämpfer der Marke Öhlins. Der Fokus des Bildes liegt auf den Einstellungsmöglichkeiten für Compression und Rebound.
Abgebildet ist ein Dämpfer der Marke Öhlins. Der Fokus des Bildes liegt auf den Einstellungsmöglichkeiten für Compression und Rebound.

Wir erklären Dir, wie Du die optimalen Einstellungen für Dein MTB-Fahrwerk findest.

Grundlegende Tipps zum Setup Deines MTB-Fahrwerks

Ein Fahrwerk einzustellen ist kein Hexenwerk, erfordert aber ein wenig Systematik und Disziplin. Das beste Ergebnis erzielst Du, wenn Du ein paar grundlegende Tipps beherzigst.

Die richtige Reihenfolge

Ganz gleich, ob Gabel oder Dämpfer, auf die Reihenfolge kommt es an. Beginne immer mit der Federhärte bzw. dem Negativfederweg, bevor Du Dich den weiteren Parametern widmest, denn die Federhärte wirkt sich auf alle anderen Einstellungen aus. Weiter geht’s mit Rebound und Compression, bevor Du Dich am Ende um Feinheiten wie Volumen-Spacer kümmerst. Stell außerdem den Negativfederweg mit offener Zug- und Druckstufendämpfung (s. u.) und Rebound mit offener Druckstufe ein.

Vom Einfachen zum Komplizierten

Bring Dein Fahrwerk mit den grundlegenden Parametern Federhärte, Rebound und Compression auf ein gutes Grundsetup. Damit hast Du 90 Prozent der Arbeit erledigt und einen guten Ausgangspunkt für punktuelle Anpassungen.

Schritt für Schritt

Ändere immer nur eine Einstellung auf einmal! Probiere aus, wie sich die Änderung auswirkt und gehe dann zur nächsten Einstellung über! Wenn Du mehrere Parameter gleichzeitig veränderst, weißt Du später nicht mehr, was welchen Effekt hatte.

Ausprobieren

Es gibt nur einen Weg, herauszufinden, ob eine Fahrwerkseinstellung passt: ausprobieren! Such Dir für Deine Testfahrten am besten einen Trail, den Du gut kennst und fahrerisch sicher beherrschst. Nur dann kannst Du Dich auf das Fahrwerk konzentrieren.

Aufschreiben

Wenn Du ein gutes Grundsetup gefunden hast, notiere es Dir. So kannst Du schnell wieder alles richtig einstellen, etwa wenn Dein Rad von einem Service zurückkommt.

Von der Federhärte bis zum Volumen-Spacer: Die Einstellparameter

 

Wie bestimmt man die passende Federhärte und findet den optimalen Sag?

Federhärte – oder physikalisch „Federkonstante“ – beschreibt das Verhältnis einer auf die Feder wirkenden Kraft zu ihrer Auslenkung. Oder anders: Wie weit federt ein Federelement ein, wenn Du es mit einer bestimmten (Gewichts-)Kraft belastest? Die Federhärte ist der wichtigste Einstellparameter jedes Federelements. Sie hat direkte Auswirkungen auf die Fahrdynamik und indirekte auf alle anderen Einstelloptionen. Über die Federhärte stellst Du den für die Fahrdynamik so wichtigen Negativfederweg (engl. „Sag“) ein, also wie weit Dein Federelement durch Dein Körpergewicht plus Ausrüstung einfedert. Der richtige Sag sorgt dafür, dass die Federung in beide Richtungen optimal arbeitet, also ein- und ausfedern kann. Das Ausfedern ist wichtig, damit Deine Reifen auch bei Schlaglöchern im Trail den Kontakt zum Boden halten. Je nach Einsatzbereich und zur Verfügung stehendem Federweg wählst Du üblicherweise einen Negativfederweg von 15 bis 30 Prozent. Je mehr Federweg Du hast, desto größer werden üblicherweise die Sag-Werte. Achte beim Fully darauf, dass die Negativfederwege an Gabel und Dämpfer nicht dramatisch voneinander abweichen. Das führt leicht zu einem front- oder hecklastigen Fahrverhalten.

Bei einer Luftfeder stellst Du die Federhärte ganz einfach über den Luftdruck ein. Nutze dafür in jedem Fall eine spezielle Federgabel- bzw. Dämpferpumpe. Bei Federelementen mit Schraubendruckfedern aus Stahl oder Titan kannst Du unterschiedlich harte Federn verbauen – abhängig von Deinem Gewicht. Vergiss dabei nicht, das Gewicht Deiner Ausrüstung, wie Kleidung, Schuhe oder Rucksack zu bedenken. Bis zu einem gewissen Grad kannst Du die Feder außerdem vorspannen. Dabei solltest Du allerdings wissen, dass eine höhere Vorspannung nicht das Gleiche ist wie eine härtere Feder. Zu viel Vorspannung kann sich negativ auf das Ansprechverhalten auswirken, weshalb wir davon abraten, die Vorspannung zur Justage der Federhärte zu nutzen.

Sollte Deine Gabel eine externe Federwegsverstellung besitzen, nimm diese und alle weiteren Einstellungen im ausgefahrenen Zustand vor.

Tipp: Hersteller wie Fox Racing Shox oder RockShox geben für ihre Federgabeln Setup-Tipps. Oft stehen die direkt auf den Tauchrohren Deiner Gabel. Bei Dämpfern geht das wegen der unterschiedlichen Übersetzungsverhältnisse verschiedener Hinterbaukonstruktionen nicht.

Christoph aus dem bc Produktmanagement korrigiert die Federhärte mithilfe einer Dämpferpumpe.
Christoph aus dem bc Produktmanagement korrigiert die Federhärte mithilfe einer Dämpferpumpe.

Je nach Gegebenheiten vor Ort kann es erforderlich sein, die Federhärte spontan anzupassen. Nutze einfach eine entsprechende Dämpferpumpe, um Deine Luftfederung optimal einzustellen. © bc GmbH

Rebound: Kontrolle über die Ausfedergeschwindigkeit

Mit der Zugstufendämpfung kontrollierst Du die Ausfedergeschwindigkeit (engl.: „Rebound“) Deines Federelements. Der Name „Zugstufe“ rührt daher, dass hier das Federelement „auf Zug“ belastet wird. Warum der Rebound wichtig ist? Bau die Feder aus einem Kugelschreiber aus, drücke sie zusammen und lasse sie los. Die kleine Feder fliegt Dir mit erstaunlicher Geschwindigkeit um die Ohren. Auf das MTB und den Trail übersetzt heißt das: Wird die Ausfederbewegung nicht gedämpft, springt das Vorder- bzw. Hinterrad und bringt Unruhe in die Fahrt. Mehr Dämpfung bedeutet langsamere Ausfedergeschwindigkeit und wird meist mit einem „+“ am Einsteller markiert, RockShox beschriftet mit einfachen Piktogrammen: „Hase“ bedeutet schnelleres Ausfedern/weniger Dämpfung, „Schildkröte“ steht für langsameres Ausfedern/mehr Dämpfung.

Wenn Du die Federhärte an Deinem Mountainbike veränderst, wirst Du in der Regel auch die Rebound-Einstellung anpassen müssen, denn ein höherer Druck bzw. eine härtere Feder bedeuten einen schnelleren Ausfedervorgang.

Bei einigen hochwertigen Federelementen ist die Rebound-Einstellung in „Lowspeed“ und „Highspeed“ unterteilt. Das hat nichts mit Deiner Fahrgeschwindigkeit oder der Geschwindigkeit des Einschlags zu tun, sondern mit der Menge des genutzten Federwegs. Denn je mehr Federweg Du nutzt, desto höher ist der Gegendruck aus der Feder (egal ob Luft- oder Schraubendruckfeder) und desto schneller der Ausfedervorgang. Die Lowspeed-Rebound-Einstellung verändert also die Ausfedergeschwindigkeit bei geringer bis mittlerer Federwegausnutzung, die Highspeed-Einstellung bei großer bis voller.

Tipp: Achte beim Fully besonders darauf, dass die Rebound-Einstellungen von Gabel und Dämpfer harmonieren.

Abgebildet ist ein Fox DHX2 Dämpfer. Der Fokus des Bildes liegt auf der Topcap für die Rebound Einstellung.
Abgebildet ist ein Fox DHX2 Dämpfer. Der Fokus des Bildes liegt auf der Topcap für die Rebound Einstellung.

Auch der DHX2 Dämpfer von Fox unterscheidet in Lowspeed- und Highspeed-Rebound. Dadurch ist eine besonders feine Einstellung Deines Fahrwerks möglich. © bc GmbH

Perfekte Bodenhaftung dank Highspeed- und Lowspeed-Compression

Die Druckstufe ist das Gegenteil der Zugstufe, nämlich die Belastung auf Druck (engl.: „Compression“). Mit der Druckstufeneinstellung kontrollierst Du also den Einfedervorgang Deines Federelementes am MTB. Je höher die Druckstufendämpfung, desto langsamer federt das Federelement ein, sowohl bei Druck von oben (etwa im Wiegetritt), wie auch bei Schlägen vom Untergrund. Wenig Druckstufendämpfung bedeutet ein aktives Fahrwerk, kann aber auch nervös wirken. Mehr Druckstufendämpfung verringert die Sensibilität des Federelements, sorgt aber für mehr Gegendruck.

Eine Besonderheit der Druckstufendämpfung ist die sogenannte Plattformdämpfung, die zusätzlich zu oder anstelle einer fein gerasterten Einstellung erfolgt. Meist besitzt eine solche Plattformdämpfung wenige, sich stark unterscheidende Stufen, z. B. „Open – Pedal – Lock“ bei RockShox oder den „Climb Switch“ von Fox oder Cane Creek. Anders als ein echter Lockout blockiert auch der geschlossene Modus hier den Ölfluss in der Dämpfung nicht vollständig.

Wie beim Rebound bieten besonders hochwertige Federelemente auch bei der Compression-Einstellung die Unterscheidung in High- und Lowspeed-Compression und damit eine sehr feine Anpassbarkeit Deines MTB- Fahrwerks. Eine stärkere Lowspeed-Compression-Dämpfung mit weniger High-Speed würde z. B. dafür sorgen, dass das Fahrwerk bei kleineren Schlägen nicht wegsackt, bei großen Hits aber sofort den nötigen Federweg freigibt. Anders als bei der Zugstufe gibt es bei der Druckstufe einen Zusammenhang zwischen der Geschwindigkeit der Federungsbewegung und der Low- bzw. High-Speed-Einstellung. Die Lowspeed-Compression dämpft den Einfedervorgang gegen langsame Bewegungen wie Wiegetritt oder Pedalinput. Die Highspeed-Compression ist für die schnellen Schläge zuständig, die hohe Kolben- bzw. Schaftgeschwindigkeiten bedeuten.

Tipp: Die Druckstufendämpfung am Mountainbike bergauf fast vollständig zu schließen ist zwar einigermaßen verbreitet, doch oft ineffizient und unkomfortabel. Sobald Du babypopoglatten Asphalt verlässt, ist ein aktives Fahrwerk, das dafür sorgt, dass die Reifen den Bodenunebenheiten folgen und nicht den Bodenkontakt verlieren, in der Regel die kraftsparendste und beste Lösung – auch und gerade bergauf.

Abgebildet ist eine Fox Federgabel. Der Fokus des Bildes liegt auf der Topcap zur Einstellung der High-Speed- und Low-Speed-Compression.
Abgebildet ist eine Fox Federgabel. Der Fokus des Bildes liegt auf der Topcap zur Einstellung der High-Speed- und Low-Speed-Compression.

Eine passend eingestellte Druckstufendämpfung sorgt für die nötige Balance aus Reaktionsfreudigkeit und Gegendruck. © bc GmbH

Mehr Endprogression mit Luftkammer- oder Volumen-Spacern

Sogenannte Luftkammer-Spacer sind seit einigen Jahren nicht mehr aus der Mountainbike-Welt wegzudenken. Gerade bei Federgabeln sind sie weit verbreitet. Hier werden sie - analog zur von RockShox geprägten Bezeichnung - gern auch „Tokens“ genannt. Die Spacer werden in der Luftkammer des Luftfederelements (Gabel oder Dämpfer) montiert und verringern das Kammervolumen. Je mehr Spacer Du montierst, desto höher wird die Endprogression der Kennlinie. Sprich: Je mehr Federweg Du nutzt, desto größer wird der Widerstand. Das ist zum Beispiel als Reserve gegen Durchschläge (engl: Bottom out) bei großen Sprüngen sinnvoll. Mit einer simplen Erhöhung der Federhärte oder mehr Druckstufendämpfung würdest Du nicht den gleichen Effekt erzielen, da Du so auch das Ansprechverhalten des Federelements negativ beeinflusst.
Achte unbedingt darauf, die für Dein Federelement vorgesehenen Spacer zu verwenden!


Tipp: Mehr ist nicht immer besser. Wie viel Progression Deine Federkennlinie haben sollte, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen: Finde die Einstellung, die Dir das Maß an Progression, um nicht durchzuschlagen und ausreichend Gegendruck bietet, Dir aber dennoch erlaubt den Federweg auszunutzen, ohne dabei Grip und Komfort zu mindern.