Hand füllt Tubeless-Dichtmilch aus einer Flasche in einen Fahrradreifen auf einer Felge, Nahaufnahme bei der Umrüstung auf Tubeless.
Hand füllt Tubeless-Dichtmilch aus einer Flasche in einen Fahrradreifen auf einer Felge, Nahaufnahme bei der Umrüstung auf Tubeless.

Bist Du dicht? - Umrüsten auf Tubeless

Du möchtest Deine Laufräder auf tubeless umrüsten? In unserem How To zeigt Dir Phil, wie das geht und was Du dafür benötigst. Los gehts!

Pizza oder Pasta, Tubeless oder Schlauch? Am Ende ist es eine Frage des Geschmacks – und natürlich der Anforderungen. Denn beide Varianten haben Vor- und Nachteile: 

Fahrradreifen mit einem Fahrradschlauch sind der Klassiker – und bei Montage und Wartung sehr einfach in der Handhabung: Der Reifen wird einseitig von der Felge gehoben, dann kommt der Schlauch rein. Die Reifenflanke wird wieder ins Felgenbett gedrückt, dann nur noch Schlauch aufpumpen - fertig. Der Nachteil vom Aufbau des Laufrads mit Schlauch: Die Pannenanfälligkeit, insbesondere im Wald, wenn Dornen und grobe Steine dem Reifen ständig zusetzen.

Mit Tubeless-Reifen kannst Du einen geringeren Reifendruck fahren, da ein leichter Durchschlag auf die Felge meist ohne Folgen bleibt. Ein Schlauch geht dabei oft kaputt (der sogenannte Snakebite). Kleine Durchstiche werden von dem Dichtmittel sofort abgedichtet, während ein Schlauch dabei ebenfalls aufgibt. Weniger Druck bringt mehr Grip und Traktion durch die vergrößerte Auflagefläche und die Fähigkeit des Reifens, sich besser an Unebenheiten anzupassen, dazu mehr Komfort durch die zusätzliche Federwirkung des Reifens. Ein weiterer willkommener Effekt ist der Gewichtsvorteil der geringeren rotierenden Masse: Ein Tubeless-Laufrad wiegt etwas weniger als ein Rad mit herkömmlichem Schlauch. Der Gewichtsunterschied beträgt beim Mountainbike gut 100g pro Laufrad, beim Gravelbike ca. 80g und beim Rennrad ca. 50g (immer verglichen mit den Einsatzzweck entsprechenden Butylschläuchen). 

Unsere Empfehlung: Probiere kurzerhand beides einmal aus, Dann findest Du das für Dich passende System schnell heraus. Die Voraussetzung für den Tubeless-Aufbau ist eine Tubeless-fähige Felge und ein entsprechend kompatibler Reifen. Dies erkennst Du an den herstellerüblichen Bezeichnungen wie zum Beispiel Tubeless Ready, Tubeless Easy oder ähnlich, zum Beispiel bei: Schwalbe, DT Swiss oder Maxxis.

Übersicht der benötigten Teile für die Tubelessmontage: Felgenband, Ventile, Dichtmilch, Bremsenreiniger, Reifenheber und Werkzeugspitze.
Übersicht der benötigten Teile für die Tubelessmontage: Felgenband, Ventile, Dichtmilch, Bremsenreiniger, Reifenheber und Werkzeugspitze.

Bevor Du startest: Lege Dir Felgenband, Ventile, Dichtmilch, Bremsenreiniger, Reifenheber und eine spitze Nadel für das Ventilloch bereit. © bc GmbH

Vorbereitung 

Wenn Deine Felge bereits mit Tubeless-Felgenband beklebt ist, kannst Du diesen Schritt überspringen. Wenn nicht, musst Du ein spezielles Felgenband zum Abdichten aufkleben, da das Dichtmittel und die Luft sonst durch die Speichenlöcher austritt und das System keine Luft halten könnte. Die meisten der Tubeless-Felgenbänder sind wie klassisches Klebeband aufgerollt. Bevor Du das Felgenband einklebst, muss das Felgenbett fettfrei und sauber sein. Wir verwenden dafür Bremsenreiniger und wischen das Laufrad mit einem fusselfreien Tuch sauber. Beim Einkleben des Felgenbandes beginnen wir einige Zentimeter vor dem Ventilloch und ziehen das Felgenband über das Ventilloch und einmal rundherum.

Wichtig: Schau, dass das Band während des Beklebens immer gut auf Spannung ist. Es wird gedehnt und dabei aufgeklebt. Dadurch zieht es sich um die Felge herum zusammen und wird so noch zuverlässiger und dauerhaft kleben. Sei dabei nicht zimperlich: das Band kann kräftig Zug vertragen. 

Treffen sich die beiden Enden nach einer Umrundung wieder, sollten sie sich über dem Ventilloch ca. 5 cm überlappen. Wenn Du das Band abschneidest, empfiehlt es sich, rund abzuschneiden und nicht im rechten Winkel, wie Du es intuitiv machen würdest, denn eine Ecke oder Spitze bei einem Aufkleber stellt immer eine Schwachstelle dar und wird sich als Erstes ablösen. 

Nun wird noch das Ventilloch ins Felgenband gestochen. Dabei ist Vorsicht geboten: mit einer Schere oder mit einem Messer kann es passieren, dass der Schnitt zu groß wird und das Ventil später nicht 100%ig abdichtet. Unser Tipp: Wir erhitzen einen Nagel oder eine dickere Nadel mit einem Feuerzeug und "schmoren" ein Loch ins Felgenband. Wenn Du durchstichst, mach ein paar kreisende Bewegungen, um das Loch auf die Ventilgröße zu weiten. So erzeugst Du keinen Schnitt, der weiter einreißen könnte. 

Person reinigt eine Fahrradfelge in der Werkstatt mit Bremsenreiniger aus einer Sprühdose, Vorbereitung für das Anbringen von Felgenband.
Person reinigt eine Fahrradfelge in der Werkstatt mit Bremsenreiniger aus einer Sprühdose, Vorbereitung für das Anbringen von Felgenband.

Saubere Basis, starker Halt: Bevor du das Felgenband montierst, sorgt gründliches Entfetten der Felge für optimale Haftung beim Tubeless-Setup.

Detailaufnahme einer Fahrradfelge mit kleinen Resten von Dichtmilch, die mit einem Tuch sorgfältig entfernt werden.
Detailaufnahme einer Fahrradfelge mit kleinen Resten von Dichtmilch, die mit einem Tuch sorgfältig entfernt werden.

Auch kleine Dichtmilchreste zählen: Reinige die Felge gründlich, damit das Felgenband später sauber haftet und dein Tubeless-Setup dicht bleibt.

Hand bringt Tubeless-Felgenband in eine Fahrradfelge ein und beginnt einige Zentimeter vor der Ventilöffnung.
Hand bringt Tubeless-Felgenband in eine Fahrradfelge ein und beginnt einige Zentimeter vor der Ventilöffnung.

Beginne ein paar Zentimeter vor dem Ventilloch – so entsteht eine saubere Überlappung und das Band sitzt später zuverlässig.

Hand klebt Felgenband unter Spannung in eine Fahrradfelge und lässt die Enden mehrere Zentimeter überlappen.
Hand klebt Felgenband unter Spannung in eine Fahrradfelge und lässt die Enden mehrere Zentimeter überlappen.

Klebe das Felgenband mit gleichmäßiger Spannung ein und lasse es ein paar Zentimeter überlappen – so sitzt es faltenfrei und sicher.

Hand schneidet das aufgeklebte Felgenband mit einer Schere rund ab, um einen sauberen Abschluss zu formen.
Hand schneidet das aufgeklebte Felgenband mit einer Schere rund ab, um einen sauberen Abschluss zu formen.

Schneide das Ende leicht rund zu – gerade, rechtwinklige Kanten lösen sich schneller und können die Haftung beeinträchtigen.

Nun muss das Tubeless-Ventil eingesetzt werden. Charakteristisch daran ist der Gummikegel am Ende. Dieser quetscht sich in das Ventilloch und dichtet es ab, sobald Du das Ventil von der anderen Seite mit der Überwurfmutter (Rändelmutter) sicherst. 

Wichtig: Drücke das Ventil mit dem Daumen von innen kräftig in das Ventilloch, anstatt es allein mit der Rändelschraube anzuziehen. Es setzt sich dadurch zuverlässiger in das Ventilloch.  

Sitzt das Tubeless-Ventil in der Felge, kann der Reifen wieder montiert werden. Vor diesem Arbeitsschritt musst Du Dir jedoch überlegen, wie Du das Dichtmittel in den Reifen einfüllen möchtest:

  • über das Ventil oder
  • über die Reifenflanke.

Je nach Variante gehst Du beim Aufziehen der Reifen unterschiedlich vor.

Hand setzt ein Tubeless-Ventil in die Fahrradfelge ein und fixiert es mit einer Überwurfmutter.
Hand setzt ein Tubeless-Ventil in die Fahrradfelge ein und fixiert es mit einer Überwurfmutter.

Drücke das Ventil zuerst fest in die Öffnung, zum Beispiel mit dem Griff eines Schraubendrehers, damit es sauber sitzt. Erst danach die Überwurfmutter aufschrauben. © bc GmbH

Hand hält einen Specialized Pathfinder Gravelreifen, auf der Reifenflanke ist die markierte Rotationsrichtung sichtbar.
Hand hält einen Specialized Pathfinder Gravelreifen, auf der Reifenflanke ist die markierte Rotationsrichtung sichtbar.

Achte beim Aufziehen auf den Pfeil für die Rotationsrichtung – nur korrekt montiert entfaltet der Reifen seine optimalen Grip- und Rolleigenschaften. © bc GmbH

Person zieht einen Gravelreifen per Hand auf eine Fahrradfelge in einer Werkstatt.
Person zieht einen Gravelreifen per Hand auf eine Fahrradfelge in einer Werkstatt.

Jetzt wird’s praktisch: Ziehe den Reifen Schritt für Schritt auf die Felge und arbeite Dich gleichmäßig rundherum vor. © bc GmbH

Dichtmittel durch das Ventil einfüllen

Wenn Du die Dichtmilch über das Ventil einfüllst, musst Du vorher beide Reifenflanken auf die Felge aufziehen. Bitte achte darauf, dass Du beim Aufziehen die Reifenwulst immer mittig ins Felgenbett drückst. Das erleichtert das Aufziehen, da der Durchmesser der Felge dort am kleinsten ist. Jetzt benötigt der Reifen schnell viel Luft, damit er satt ins Felgenhorn springt. Mit einer Standpumpe klappt es meist mit einigen sehr schnellen Pumpenhüben. Pumpe den Reifen damit auf ca. 3-4 bar hoch (unbedingt den Maximaldruck des Reifens und der Felge beachten), dann setzt sich der Reifen oft mit einem deutlich hörbaren "Plopp" in die richtige Position. Sollte es mit der Pumpe nicht klappen, da der Luftstrom den Reifen nicht ans Felgenhorn pressen kann, brauchst Du einen Druckbehälter wie den Schwalbe Tire Booster (links).  

Falls sich der Reifen trotz schneller Pumpenhübe nicht satt an die Flanke anschmiegen sollte, kontrolliere die Abstände zwischen den Wülsten und der Felgenflanke. Durch Zupfen, Walken und einem Reifenheber kannst Du dem Reifen an den schwergängigen Stellen etwas nachhelfen. Manche Reifen- Felgen-Kombination verträgt sich dahingehend nicht so gut und muss mit Druckluft überredet werden.

Wenn die Wülste korrekt im Felgenhorn sitzen, lass die Luft wieder über das Ventil ab. Danach drehst Du den Ventileinsatz mit einem Ventilschlüssel raus. Der Ventilschaft dient jetzt als Einfüllstutzen für das Dichtmittel. Du solltest es vor dem Einfüllen gut schütteln, damit sich die Partikel darin verteilen können.

Drehe das Ventil nach unten und fülle das Dichtmittel mit einem Stutzen ein.

Als Faustregel für einen Mountainbike-Reifen nimmst Du zwischen 60 und 100ml, je nach Laufradgröße und Reifenbreite. Beim Rennrad sind es 30 bis 50ml und beim Gravel-Reifen ca. 60ml. Achte vor dem Befüllen aber bitte trotzdem auf die Herstellerempfehlungen. Die Menge kann je nach Hersteller und Reifentyp variieren.

Ist das Dichtmittel eingefüllt, schraube den Ventileinsatz wieder ein und pumpe den Reifen bis zum gewünschten Druck auf. Damit sich die Flüssigkeit insbesondere nach dem ersten Einfüllen gut verteilt, empfiehlt es sich, das Laufrad in alle Richtungen zu drehen, zu schütteln, oder auch auf den Boden titschen zu lassen. Dann geht´s am Besten gleich aufs Rad, damit sich das Dichtmittel noch besser verteilen und in alle Ecken kriechen kann.

Hand füllt Dichtmilch direkt in die offene Reifenflanke eines montierten Fahrradreifens.
Hand füllt Dichtmilch direkt in die offene Reifenflanke eines montierten Fahrradreifens.

Fülle die Dichtmilch gleichmäßig in den geöffneten Reifen, bevor Du die zweite Reifenwulst vollständig auf die Felge hebst. © bc GmbH

Person hebt die zweite Reifenwulst mit einem Reifenheber vollständig auf die Felge, nachdem Dichtmilch eingefüllt wurde.
Person hebt die zweite Reifenwulst mit einem Reifenheber vollständig auf die Felge, nachdem Dichtmilch eingefüllt wurde.

Nachdem die Dichtmilch im Reifen ist, hebst Du die zweite Wulst vorsichtig auf die Felge und schließt den Reifen vollständig. © GmbH

Dichtmilch über die Flanke einfüllen

Du kannst das Dichtmittel auch direkt über die Reifenflanke einfüllen. Dafür ziehst Du eine Reifenseite komplett auf die Felge auf. Die andere Seite ziehst Du ebenfalls auf, lässt den Reifen aber in einem Bereich von 20-30 Zentimeter noch "offen". Beim Einfüllen und anschließenden Aufziehen der offenen Stelle der Flanke ist etwas Vorsicht geboten, damit das Befüllen nicht als klebrige Sauerei endet.

Zum Befüllen benötigst Du keinen Stutzen oder eine Spritze, sondern kannst das Dichtmittel direkt aus seinem Behälter (oder aus einem Messbecher) in den Reifen geben.

Tipp: Drehe die offene Stelle an der Reifenflanke nach dem Befüllen ganz nach oben, damit die Öffnung weit weg vom Dichtmittel ist, das ja durch die Schwerkraft unten verbleibt. So vermeidest Du beim Aufziehen der restlichen Reifenflanke ein Auslaufen. 

Auch hier muss der befüllte Reifen anschließend schnell mit einem großen Luftvolumen aufgepumpt werden, damit die Wülste ins Felgenhorn rutschen. Daher gilt es, wie oben schon beschrieben, entweder schnell zu pumpen oder einen Booster zu verwenden. Anschließend solltest Du das Laufrad drehen, schütteln und auf den Boden titschen lassen, damit das Dichtmittel in alle Ecken gelangt und idealerweise direkt Fahren gehen. 

 

Fahrradreifen wird mit einem Kompressor über das Ventil mit Luft befüllt, um ihn auf der Felge zu setzen.
Fahrradreifen wird mit einem Kompressor über das Ventil mit Luft befüllt, um ihn auf der Felge zu setzen.

Am besten befüllst Du den Reifen mit einem Kompressor – der schnelle Luftstoß sorgt dafür, dass die Wulst sauber ins Felgenbett springt. © bc GmbH

Wichtiger Hinweis

Da das Dichtmittel mit der Zeit immer zähflüssiger wird und schlussendlich verklumpt, sollte es in regelmäßigen Abständen geprüft und je nach Zustand nachgefüllt werden. Nach unserer Erfahrung solltest Du es mindestens 2x im Jahr erneuern. Das ausgetrocknete, verklumpte Dichtmittel kann vorher mit einem Lappen oder Schwamm ausgewischt werden. 

Wir hoffen, Du kannst die Kardinalfrage "Tubeless oder Schlauch?" nun besser beantworten. Wir empfehlen Tubeless, aber das muss Jede:r für sich selbst entscheiden. Hier nochmal das Für und Wider: 

 

Tubeless

Vorteile:

  • Erhöhte Pannensicherheit, vor allem bei Durchlägen und kleinen Durchstichen wie z.B. von Dornen
  • Weniger Luftdruck bringt mehr Grip, Traktion und Komfort (vor allem beim Mountainbike)
  • Weniger Gewicht an der rotierenden Masse

Nachteile:

  • Mehr Aufwand bei der Installation
  • Dichtmittel muss 2x jährlich getauscht werden

 

 

Schlauch

Vorteile:

  • Einfachere und schnellere Installation
  • Keine Gefahr der "Schweinerei" mit Dichtmittel bei der Installation

 Nachteile: 

  • Anfälliger für Pannen bei Durchstichen und Durchschlägen auf die Felge
  • Tendenziell etwas mehr Luftdruck nötig, dadurch leicht reduzierter Grip und Komfort
  • Mehr Gewicht an der rotierenden Masse