MTB-Fahrwerk Glossar: Alle Begriffe erklärt!
Federkennlinie, Negativkammer und Shim Stack - Soweit klar? Falls nicht, hilft Dir unser Glossar zum Thema Mountainbike-Federung.
Bei Innenlagern fürs Fahrrad gibt es einige Standards und Maße. Welches passt? Wir helfen Dir, das richtige für Dein Bike zu finden.
Das Innenlager – auch Tretlager genannt – ist eine zentrale Komponente an jedem Fahrrad. Es dient als Schnittstelle zwischen Kurbeln und Rahmen und sorgt dafür, dass Du pedalieren kannst. Entscheidend ist, dass es zu beiden kompatibel ist – also zum Tretlagergehäuse des Rahmens und zur Kurbelwelle der Kurbeln. Beide gibt es in so vielen verschiedenen Standards und Maßen, dass es schnell unübersichtlich wird. Aber keine Sorge! Egal, ob Du ein verschlissenes Lager ersetzen willst oder ein neues Bike zusammenstellst: Unser Ratgeber hilft Dir dabei, in wenigen Schritten das passende Innenlager für Dein Bike zu finden. Los geht's!
Mit Hilfe der Filter in unserem Onlineshop kannst Du die Auswahl passender Innenlager schrittweise eingrenzen. Vier Faktoren sind entscheidend:
Ob Du beim Bestimmen und Filtern mit der Gehäusebreite und dem Einbautyp am Rahmen beginnst oder zuerst die Art der Kurbelwelle (Filter: Achstyp) wählst, bleibt Dir überlassen. Unabhängig von der Reihenfolge werden am Ende die passenden Tretlager angezeigt. In den folgenden Absätzen erklären wir Dir, was die einzelnen Filtermöglichkeiten bedeuten und wie sie Dich zum passenden Innenlager führen. Dabei ist es von Vorteil, wenn Du einen Messschieber oder ein Lineal zur Hand hast, um das Tretlagergehäuse an Deinem Rahmen zu vermessen. Damit Du alle wichtigen Schnittstellen messen kannst, sollte kein Lager im Rahmen montiert sein. Wenn Dir ein Datenblatt des Rahmenherstellers vorliegt, findest Du Angaben zum passenden Tretlager sehr wahrscheinlich dort und muss nicht selbst messen.
Bei der Suche nach einem passenden Innenlager in unserem Shop helfen Dir die umfangreichen Filtermöglichkeiten. © bc GmbH
Das Tretlagergehäuse – also der Teil Deines Rahmens, in dem das Lager verbaut ist – hat eine bestimmte Breite. Sie ist einfach zu messen - auch, wenn ein Lager montiert ist. Dabei misst Du nur am Rahmen die Gesamtbreite des Gehäuses, also OHNE Lagerschalen und eventuelle Spacer. Sobald Du die Gehäusebreite kennst, kannst Du per Filterfunktion die Suchergebnisse einzugrenzen.
Mit Hilfe eines Messschiebers lässt sich die Tretlager-Gehäusebreite schnell bestimmen. © bc GmbH
Neben der Gehäusebreite unterscheiden sich Tretlagergehäuse von Fahrradrahmen in weiteren Aspekten, die Du mit dem Filter "Einbautyp" eingrenzen kannst. Da die Hersteller über die Jahre immer neue Einbaumaße mit eigenen Namen auf den Markt gebracht haben, gibt es leider keine einheitliche Linie in den Bezeichnungen. Die Buchstaben sind meist Abkürzungen. Die Zahlen beziehen sich in einigen Fällen auf den Innendurchmesser des Rahmens, in anderen auf den Außendurchmesser der Kurbelwelle und in wieder anderen auf die Tretlagergehäusebreite. Um treffsicher den Rahmen mit der Kurbel zusammenzubringen, müssen alle Parameter stimmen.
Die erste und wichtigste Unterscheidung ist, ob es sich um ein per Gewinde verschraubtes oder um ein eingepresstes Innenlager handelt. An einem Rahmen, in dem kein Lager verbaut ist, kannst Du direkt sehen, ob das Tretlagergehäuse innen Gewinde hat oder nicht.
Ein Gewinde-Innenlager erkennst Du im montierten Zustand daran, dass die Lagerschalen eine Werkzeugaufnahme haben, meist eine Verzahnung, die die Lagerschale außen umläuft. Es gibt derzeit folgende Varianten, die Du bei demontierten Lagern am Innendurchmesser des Tretlagergehäuses und der Richtung der Gewinde unterscheiden kannst:
| Einbautyp (Shopfilter: Innenlagerstandard) | Innendurchmesser | Gewinderichtung |
| BSA | etwa 34 mm | Linksgewinde auf der Antriebsseite, Rechtsgewinde auf der Nichtantriebsseite |
| ITA | etwa 35 mm | Rechtsgewinde auf beiden Seiten (seltener als BSA) |
| T45 | etwa 44 mm | Linksgewinde auf der Antriebsseite, |
| T47 | etwa 46 mm | Linksgewinde auf der Antriebsseite, Rechtsgewinde auf der Nichtantriebsseite |
| T47A (Asymmetrical) | gleiche Gewinde und Durchmesser wie T47, |
BSA- und ITA-Lager sehen sich sehr ähnlich, daher ist die Unterscheidung per Sichtkontrolle schwierig. Aktuelle Rahmen mit ITA-Tretlagergehäuse sind allerdings eher selten. Wenn Du einen Rahmen einer italienischen Firma hast, dann solltest Du genauer hinschauen. Ansonsten ist BSA sehr wahrscheinlich.
Die Lager mit dem T (T45, T47 und T47A) sind sichtbar größer als BSA und ITA. Hier kommt es auf die Feinheiten an, die Du in der Tabelle nachschauen kannst.
Bei Tretlagergehäusen ohne Gewinde werden die Kugellager direkt oder mit Lagerschalen aus Aluminium oder Kunststoff in den Rahmen gepresst. Das Prinzip ähnelt dem von Steuersätzen. In dem Kontext taucht oft der Begriff „Pressfit" oder das entsprechende Kürzel „PF" auf. Die Gehäusetypen kannst Du am Innendurchmesser und der Breite unterscheiden. Den Durchmesser misst Du am besten mit einem Messschieber direkt am Rahmen bei demontiertem Innenlager. Folgende Innendurchmesser kannst Du dann den Einbautypen zuordnen:
| Innendurchmesser | Einbautyp (Shopfilter: Innenlagerstandard) |
| 37 mm | BB90, BB95 |
| 41 mm | Pressfit BB86, BB92, BB104,5, BB107, BB121 |
| 42 mm | BB30, BB30A |
| 46 mm | Pressfit PF30, BB386 Evo, BBright |
| 42 und 46 mm | OSBB gibt es in 42 und 46 mm – bitte Datenblatt und Produktbeschreibung beachten |
Die verschiedenen Einbautypen mit gleichem Durchmesser unterscheiden sich in der Gehäusebreite. Wenn Du zuerst nach der Breite filterst, reduziert sich die Auswahl an Innenlagerstandards automatisch.
Mit dem Filter „Achstyp" kannst Du die Auswahl der Innenlager nach Kompatibilität zu Deiner Kurbel eingrenzen. Eigentlich ist „Achse" bei einer Kurbel der falsche Begriff, da man von „Welle" spricht, wenn damit Drehmoment übertragen wird. Im Sprachgebrauch der Fahrradwelt hat sich aber neben „Kurbelwelle" auch „Kurbelachse" etabliert, weshalb wir hier beide Begriffe verwenden.
Du hast die Möglichkeit, Deine Kurbelachse (oder auch -welle) selbst zu vermessen oder die entscheidenden Parameter aus dem Datenblatt oder der Beschreibung zu beziehen. Dabei können wir die Achstypen in zwei Gruppen einteilen: Systeme, bei denen sie Teil der Kurbel ist, also fest an einem der Kurbelarme angebracht, und Systeme, bei denen die Kurbelwelle zum Innenlager gehört. Es gibt leider nicht für jede Kombination aus Kurbel und Rahmen ein passendes Lager. Bei einigen Rahmen ist die Auswahl an Kurbeln dadurch also eingeschränkt.
Bei den meisten Kurbeln an hochwertigen Bikes ist die Kurbelwelle fest mit einem Kurbelarm verbunden. Die Maße der Shop-Filter (Achstyp) und im Datenblatt entsprechen in der Regel dem Außendurchmesser der Kurbelwelle, den Du mit einem Messschieber an der Stelle messen kannst, wo sie im Lager sitzen würde. Alternativ kannst Du auch den Innendurchmesser des Lagers messen – also das Loch, durch das die Kurbelwelle gesteckt wird. Folgende Systeme gibt es derzeit:
| Achstyp | System |
| 19 mm | FSA MegaExo |
| 24 mm | Shimano Hollowtech II und kompatible Produkte anderer Hersteller |
| 24 / 22 mm | die Kurbelwelle an GXP-Kurbeln von SRAM misst auf der Antriebsseite 24 mm und auf der Nichtantriebsseite 22 mm |
| 25 mm | Campagnolo Ultra-Torque und Power-Torque |
| 28,99 mm | SRAM DUB, auch Truvativ |
| 30 mm | diverse Hersteller |
| 30 / 28 mm | Praxis Works M30, die Kurbelwelle misst auf Antriebsseite 30 mm und auf Nichtantriebsseite 28 mm |
Die Länge der Kurbelwelle kann ebenfalls variieren. Schmal bauende Rennradkurbeln haben z. B. meist eine kürzere Welle als MTB-Kurbeln. In der Regel musst Du hier nichts messen. Wenn Du nur das Innenlager wechseln willst und Kurbel und Rahmen schon erfolgreich miteinander funktioniert haben, dann brauchst Du Dir darüber keine Gedanken zu machen. Wenn Du eine neue Kurbel verbauen willst, dann ist es wichtig, dass die Kurbelwelle zur Gehäusebreite des Rahmens passt. Diese Information findest Du immer in den Details der Kurbeln auf unseren Produktseiten.
Bei der Auswahl des Lagers muss der Innendurchmesser des Lagers auf den Außendurchmesser der Kurbelwelle abgestimmt sein. © bc GmbH
An älteren oder günstigeren Fahrrädern findest Du oft Systeme, bei denen die Kurbelwelle Teil des Innenlagers ist. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Patronenlager, also in sich geschlossene Einheiten, die fast komplett im Rahmen verschwinden. Links und rechts schaut die Kurbelwelle heraus. Die beiden Kurbelarme werden einzeln auf der Welle verschraubt. Um die Kraft zu übertragen, ist die Schnittstelle zwischen Kurbelarm und -welle entweder ein konisch zulaufendes Vierkantprofil oder ein Vielzahn. Die üblichen Systeme sind:
• Vierkant (JIS) – vorwiegend bei asiatischen Herstellern (z. B. Shimano)
• Vierkant (ISO) – vorwiegend bei europäischen Herstellern
• Octalink MTB – Vielzahn mit acht Zähnen, Verzahnung länger als bei Octalink Road
• Octalink Road – Vielzahn mit acht Zähnen, Verzahnung kürzer als bei Octalink MTB
• ISIS – Vielzahn mit zehn Zähnen
• Power Spline – Vielzahn mit zwölf Zähnen
Die beiden Vierkant-Varianten sind nicht miteinander kompatibel. Mit dem falschen Innenlager kannst Du Deine Kurbel beschädigen. Da sie nur schwer zu unterscheiden sind, solltest Du Dich beim Hersteller Deiner Kurbel informieren, welcher Vierkant passt. Außerdem gilt es bei Innenlagern mit integrierter Welle, neben der Einbaubreite des Innenlagers auch die Gesamtlänge der Welle passend zur Kurbel auszuwählen. Sie entscheidet über die Kettenlinie, den Q-Faktor und darüber, dass Deine Kurbel nicht mit den Kettenstreben kollidiert. Welche Wellenlänge für Deine Kurbel benötigt wird, kannst Du in der Dokumentation des Herstellers nachlesen. Hast Du bereits ein solches Innenlager verbaut, dann kannst Du die Länge der Welle einfach mit einem Messschieber messen.
Die verschiedenen Preisklassen von Innenlagern unterscheiden sich meist in der Fertigungsqualität und der Art der Lagerung. Heutzutage kommen meist gekapselte Kugellager zum Einsatz – oft als Industrielager bezeichnet. Sie bestehen entweder aus Chromstahl, Edelstahl, Keramik oder einer Kombination (z. B. Hybridlager mit Keramikkugeln und Lagerringen aus Stahl). Während normaler Lagerstahl bei guter Pflege sehr langlebig ist, hat Edelstahl den Vorteil, dass er korrosionsbeständig (also rostfrei) ist. Wenn Du viel im Regen unterwegs bist oder Dein Rad oft wäschst und keine Zeit hast, die Lager regelmäßig zu inspizieren und bei Bedarf neu zu fetten, dann ist Edelstahl eine gute Wahl. Keramiklager sind ebenfalls korrosionsbeständig und durch das sehr harte Material sehr langlebig.
Zur Montage von Innenlagern brauchst Du Spezialwerkzeuge. Für Innenlager mit Gewinde gibt es verschiedene Schlüssel, je nach System. Für Lager ohne Gewinde benötigst Du ein Einpresswerkzeug. Zur Demontage eingepresster Lager wird ein Ausschlagwerkzeug (auch Austreiber genannt) benötigt. Ein Sonderfall sind Innenlager für gewindelose Tretlagergehäuse, bei denen die beiden Hälften miteinander verschraubt werden. Für sie brauchst Du kein Einpresswerkzeug, sondern einen Schlüssel wie für Gewinde-Lager. Das Lager zieht sich durch die Verschraubung im Rahmen zusammen. Wir empfehlen in jedem Fall, Dich vorm Bestellen zu informieren, welche Art von Werkzeug zu Deinem neuen Innenlager passt. Viele ähneln sich auf den ersten Blick. Bei der Montage solltest Du die Richtung der Gewinde und die Drehmomente beachten und auf jeden Fall Montagefett verwenden. Bei einem neuen Rahmen solltest Du prüfen, ob die Lagersitze sauber vorbereitet sind. Eventuell ist es nötig, die Stirnfläche planzufräsen oder die Gewinde nachzuschneiden.
Mit neuem Innenlager dreht sich die Kurbel wieder, wie sie soll: leichtgängig, geschmeidig und spielfrei. Wenn Du noch Fragen hast, melde Dich gern bei unserem Service-Team.
Ein Knacken oder Knarzen aus dem Tretlagerbereich muss nicht zwingend vom Innenlager kommen. Es könnte auch ein Pedal sein, ein Kettenblatt oder die Verschraubung der Kurbel mit der Kurbelwelle. Oft hilft es, alle fraglichen Verschraubungen zu reinigen und mit dem korrekten Drehmoment wieder anzuziehen. Unser Ratgeber zum Thema Knacken am Bike geht weiter ins Detail: Knacken und andere Geräusche am Bike beseitigen – Anleitung & Tipps
Ein verschlissenes Innenlager kannst Du daran erkennen, dass es nur mit erhöhtem Widerstand dreht und/oder sich rau anfühlt. Um das besser zu beurteilen, kannst Du die Kette vom Kettenblatt nehmen, an der Kurbel drehen und so den Lauf des Lagers unabhängig vom Rest des Antriebs beurteilen. Verschleiß kann sich auch durch Lagerspiel zeigen. Wenn Du die Kurbeln mit der Hand greifst, zu den Seiten hin- und herdrücken kannst, dann überprüfe zunächst, ob die Kurbeln korrekt festgezogen sind. Ist das der Fall, dann kommt das Spiel wahrscheinlich von einem verschlissenen Innenlager.
BB30 und PF30 sind Innenlager für unterschiedliche Rahmen. BB30 bezeichnet Innenlager, bei denen die Lager direkt in den Rahmen mit Tretlagergehäuse mit einem Innendurchmesser von 42 mm gepresst werden. PF30 (auch: PressFit30) sind Innenlager, die mit Lagerschalen in Rahmen mit einem Innendurchmesser von 46 mm gepresst werden. Die 30 haben beide im Namen, weil sie zu den ersten Innenlagern für Kurbeln mit 30-mm-Welle gehörten. Später kamen Varianten für Kurbeln mit dünneren Kurbelwellen dazu, aber die Namen blieben.
Ja, es empfiehlt sich, alle Kontaktflächen zwischen Bauteilen bei der Montage zu fetten, um Korrosion vorzubeugen. Das betrifft die Gewinde und auch den inneren Teil des Innenlagers, der in Kontakt mit der Kurbelwelle ist. Die eigentlichen Kugellager sind in den meisten Fällen gedichtet und gefettet. Einige Hersteller hochwertiger Lager, wie z. B. Chris King, empfehlen, das Fett in den Lagern regelmäßig zu erneuern, um die Langlebigkeit zu maximieren.
Wie fest Du ein Innenlager anziehen musst, unterscheidet sich von Modell zu Modell. Achte dazu am besten auf die Vorgaben des Herstellers und nutze einen Drehmomentschlüssel! Oft ist das Drehmoment (und die Einschraubrichtung) direkt auf den Lagerschalen vermerkt.
Ja, wenn Du die entsprechenden Werkzeuge hast, dann kannst Du ein Pressfit-Lager auch selbst wechseln. Dazu benötigst Du einen Austreiber bzw. Ausschlagwerkzeug und ein passendes Einpresswerkzeug.