Laufradbai fürs MTB: Tipps & Beratung

Individueller Laufradbau fürs MTB

Pascal 08.02.2021

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, Dir einen eigenen MTB-Laufradsatz zu bauen? Wir liefern Dir zehn Gründe für Deinen individuellen Traum-Laufradsatz.

Der Markt an Systemlaufradsätzen bzw. vorkonfektionierten Laufrädern fürs MTB ist riesig und deckt sehr viele Ansprüche ab. Auch wir bei bc spielen mit unseren Loamer-Laufrädern auf diesem Markt mit – brandaktuell in der zweiten Generation MK 2. Von den renommierten Herstellern wie DT Swiss, Mavic oder Shimano gibt es Laufradsätze für (fast) jeden Geschmack. Auch für E-Mountainbikes ist inzwischen eine reiche Auswahl erhältlich. Wir nennen Dir zehn Gründe, warum ein individuelles Laufrad trotzdem genau das Richtige für Dich und Dein Bike sein kann.

 

1. Du baust ein persönliches Konzeptbike

2. Du willst Dein Bike auf Fahrstil oder Gelände anpassen

3. Es gibt nicht, was Du suchst

4. Du schätzt einfache Technik und Ersatzteilversorgung

5. Du kriegst alles kaputt

6. Du bist „on a budget“

7. Du fährst Mullet

8. Du passt in keine Schublade

9. Du bist ein begeisterter Schrauber

10. Das Beste ist für Dich gerade gut genug

1. Du baust ein persönliches Konzeptbike

Wir bei bc lieben Projekte. Unsere Custom-Bikes schmücken regelmäßig unsere Social-Auftritte bei Instagram und Facebook. Auch Du willst zum Beispiel ein ganz persönliches Farbkonzept von vorne bis hinten durchziehen? Dann wirst Du die in vielen Eloxalfarben erhältlichen Hope-Naben lieben, die auch noch perfekt zu den Steuersätzen aus demselben Haus passen. Oder planst Du ein Bike ausschließlich mit Komponenten „Made in Europe“? Wie wäre es dann mit Tune-Naben, Sapim-Speichen und Syntace-Felgen? Deiner Fantasie und Detailverliebtheit sind gerade bei einem Laufrad kaum Grenzen gesetzt.

2. Du willst Dein Bike auf Fahrstil oder Gelände anpassen

Gerade erfahrene oder besonders ambitionierte Mountainbiker entwickeln im Laufe der Zeit spezielle Anforderungen an ihr Material, die vor-konfektionierte Produkte nicht immer erfüllen können. Hier ist „Customization“ die Antwort. Drei Beispiele:
a) Du willst Dein XC-Fully im Wettkampf und auf Deinen Hometrails nutzen? Ein reinrassiger Leichtgewichtslaufradsatz kommt dann ebenso wenig infrage wie stabile Enduro-Räder. Eine mögliche Custom-Lösung: Kombiniere eine leichte 28-Loch-Carbon-Felge mit großer Maulweite mit zwei verschiedenen Speichen zum perfekten Downcountry-Laufradsatz: Leichte Speichen im Vorderrad, stabile Speichen im Hinterrad.
b) Dein Motto lautet: „Vorne präzise fahren, das Hinterrad sucht sich den Weg“? Warum kein Custom-Laufradsatz mit zwei verschiedenen Felgen? Vorn steif, hinten mit kontrolliertem Flex wie bei der Zipp 3ZERO MOTO.
c) Du fährst gern technisch bergauf oder liebst Spitzkehren bergab? Kombiniere leichte Felgen mit einer Nabe mit möglichst geringen Auslösewinkeln. So hast Du perfekten Kraftschluss und wenig Leerweg bei den wichtigen Pedalkicks.

3. Es gibt nicht, was Du suchst

Wir sind stolz auf unsere Auswahl. Aber manches gibt es auf dem Markt einfach nicht. Bikepacking-Laufradsätze etwa. Klingt nach Marketing-Quatsch? Falsch. Cross-over ist ein Riesenthema in der Fahrradwelt. Viele Menschen nutzen ihre Bikes für Alltag, Sport und Reise. Umso mehr, seit moderne Bikepacking-Taschen Mehrtagestouren und technisch anspruchsvolles Biken verbinden. Was das mit den Laufrädern zu tun hat? Ganz einfach: Vorn ein Nabendynamo als Stromquelle, eine möglichst robuste Hinterradnabe und asymmetrische Felgen, die es Dir ermöglichen, maximal zwei Speichenlängen als Ersatzteile dabei zu haben. Fertig ist der perfekte Abenteuer-Laufradsatz, den es so garantiert nicht von der Stange gibt – und der ganz nebenbei auch auf den täglichen Berufspendelstrecken einen perfekten Job macht.

4. Du schätzt einfache Technik und Ersatzteilversorgung

Nicht jede Innovation funktioniert für jeden Anwender. Systemlaufradsätze nutzen zum Beispiel oft herstellergebundene Lösungen oder Teile, um bestimmte Eigenschaften zu erreichen oder zu kombinieren. Das kann ein technischer Vorteil sein, hat aber auch Nachteile. Etwa wenn es um die Ersatzteilversorgung geht. Sogenannte Straightpull-Speichen etwa, die die potenzielle Schwachstelle Speichenbogen beseitigen, erschweren die schnelle Reparatur am Wegesrand und sind, im Gegensatz zu J-förmigen Speichen, nicht überall verfügbar. Ein anderes Beispiel, das Mountainbiker polarisiert, ist die Centerlock-Technik, die Bremsscheibe und Nabe per Vielzahn-Aufnahme und nicht mit je sechs Schrauben verbindet. Viele moderne System-Laufradsätze kommen aus Gewichtsgründen und wegen der narrensicheren Montage allerdings ausschließlich mit Centerlock-Aufnahme. Das schränkt umgekehrt die Auswahl an Bremsscheiben ein und erschwert ebenfalls Trailside-Repair und Notfall-Ersatz, z. B. am Urlaubsort. Wenn Dir also einfache Ersatzteilversorgung und Reparierbarkeit wichtiger sind als das letzte Gramm und die neueste Technologie, dann verspricht ein Custom-Laufradsatz mit einfachen, aber bewährten Teilen langfristige Zufriedenheit.

5. Du kriegst alles kaputt

Deine kompromisslose Linienwahl hat mal wieder ein paar Speichen auf dem Gewissen? Dein Drop ins Flat hat Deine Felge gekillt? Das kann der bedauernswerte Laufradsatz, der serienmäßig in Deinem Bike steckt, ja gar nicht überleben. Bau Dir Deinen persönlichen Bulletproof-Laufradsatz! Eine robuste Felge wie die DT Swiss HX 531, 36 stabile und zweifach konifizierte Rundspeichen mit großem Durchmesser wie die DT Swiss Alpine III und eine Nabe mit robustem Zahnscheibenfreilauf wie die DT Swiss 350 Classic könnten Dich jahrelang glücklich machen. Und wenn Du doch mal wieder vollkommen übertrieben hast, freust Du Dich über die einfache Reparierbarkeit Deines Laufrades. Gilt übrigens auch für E-Biker!

6. Du bist „on a Budget“

Wenn Du die Künste des Laufradbaus und des Kompromisses gleichermaßen beherrschst, kannst Du mit einem individuellen Laufrad oftmals bares Geld sparen. Gerade im Carbon-Bereich kombinieren viele Hersteller nur das jeweils Beste, was ihr Sortiment zu bieten hat. Das führt zu herausragend leichten und trotzdem steifen und stabilen Laufradsätzen – und zu Preisen oftmals jenseits der 2.000 Euro. Wenn Du Dein Custom-Laufrad um eine leichte Carbonfelge wie die Newmen Advanced SL A.30 Disc herum aufbaust, aber auf vergleichsweise günstige Naben wie die bewährte Shimano XT-Serie und solide Speichen wie Sapims Race (inkl. Nippeln) setzt, bekommst Du ein exklusives Carbon-Laufrad schon um 1.000 Euro und genießt trotzdem einen Großteil der Vorteile des Hightech-Materials. Denn eine 100 Gramm leichtere Felge verändert das Trägheitsmoment Deines Laufrades ungleich stärker als dieselbe Gewichtsersparnis an der Nabe – am Zentrum der Rotationsbewegung. Wenn Du richtig Geld sparen willst, setzt Du auf eine einfachere Alufelge und kannst so auch einen soliden Custom-Laufradsatz um 300 Euro realisieren – auch wenn Du für diesen Preis sicher kein Hightech erwarten darfst. Wie wir unsere bc original Loamer-Laufräder so günstig anbieten können und mit robustem Zahnscheiben-Freilauf ein sensationelles Gesamtgewicht von 1.740 Gramm (Satz/29 Zoll) erreichen? Unser Geheimnis!

7. Du fährst Mullet

Mullet (engl. ursprünglich für Vokuhila) ist für manche Mountainbiker eine Offenbarung. Am Vorderrad das überlegene Überrollverhalten und die hervorragende Kurventraktion des 29ers, hinten das steifere und agilere Fahrverhalten von 27,5. Leider gibt es ab Werk noch nicht viele System-Laufradsätze in dieser Konfiguration – oder die Möglichkeit, Vorder- und Hinterrad einzeln zu kaufen. Auch wenn wir uns wiederholen: Aktuell fällt uns da vor allem der bc original Loamer Mullet ein. Alternative: Custom-Aufbau. So kannst Du nicht nur „vornegroßhintenklein“ fahren, sondern auch nach Belieben verschiedene Felgen einsetzen und so das Potenzial der verschiedenen Laufradgrößen perfekt ausnutzen. Wie wäre es mit vorne 29 x 2,5 Zoll auf einer 30er-Felge, hinten 27,5 x 2,8 Zoll auf einer 35er-Felge? „Full Moto“!

8. Du passt in keine Schublade

Mountainbiking ist ein toller Sport für alle Menschen. Hersteller konzipieren aus guten Gründen ihre Produkte jedoch meist für „Durchschnittsmenschen“. Soll heißen: Nicht für mittelmäßige Charaktere, sondern für Menschen, deren Körpermaße nahe an einem Zielgruppendurchschnitt liegen. Ökonomisch ist das nur logisch, manche Biker lässt diese Entscheidung aber mit Fragezeichen zurück. Während besonders leichte Biker (und Bikerinnen) oftmals die Stabilitätsreserven der Serienprodukte gar nicht benötigen, bringen sehr starke, schwere oder große Menschen diese genauso häufig an ihre Grenzen. Auch hier ist ein Custom-Laufrad eine tolle Option. Während leichte Menschen möglicherweise Komponenten aus dem Rennrad- und MTB-Regal mixen, orientieren sich Kraftprotze und Schwergewichte eher an den Bulletproof-Optionen: stabile Felgen, hohe Speichenzahl sowie Naben mit wenig Rastpunkten und massiven Sperrklinken.

9. Du bist ein begeisterter Schrauber

Für manche Menschen ist Arbeit mit den Händen die pure Erholung. Fast schon Meditation. Andere wollen die Technik, die sie nutzen, im Wortsinne begreifen – entweder, um sie selbst warten zu können, oder einfach aus einem tief verwurzelten Interesse. Für beide Gruppen ist der Laufradbau von Hand genau das Richtige. Dabei ist es nahezu egal, ob das Laufrad besser oder günstiger wird. Es geht um den Prozess des Bauens selbst. Außerdem können wir versprechen: Wer einmal damit angefangen hat, baut bald schon auch für Freunde. Grundlagen und Hintergründe verraten wir in unserem „Einmaleins des individuellen Laufradbaus“.

10. Das Beste ist für Dich gerade gut genug

Du planst ein Bike, das selbst die Spezifikationen eines Specialized S-Works alt aussehen lässt? Du wohnst in einem Architektenhaus und jedes Möbelstück ist handverlesen? Dein Bike ist Ausdruck Deiner Persönlichkeit? Dann weißt Du, was Du zu tun hast. Wie wäre es mit Zipp-Felgen an Sapim CX-Ray und Chris King Iso? Nicht? Lieber eine Dresdener Beast-Felge an DT Swiss Revolution-Speichen und 180 Boost-Naben? The sky is the limit!

Exkurs:

Carbonfelge einspeichen? Immer mit Tensiometer!

Carbon ist ein fantastisches Felgenmaterial: leicht, stabil und dank individuellen Faserlayouts mit sehr spezifischen Eigenschaften, die so kein anderes Material erreicht. Beim Selbstaufbau eines Laufrades mit Carbonfelge solltest Du allerdings Vorsicht walten lassen und unbedingt ein Tensiometer verwenden. So vermeidest Du Schädigungen und im Extremfall Brüche durch zu hohe Speichenspannung und erzielst genau die Eigenschaften, die Du willst.